Gute Gastgeber – kleiner Leitfaden für gelungene Einladungen

Im Winter, zu Weihnachten und dem Jahreswechsel läd man sich besonders gerne gute Gäste ein - das gelingt auch ganz entspannt!

Meiner Frau fragt immer, ob wir nicht auch mal „einfach eine Nudel kochen“ könnten, wenn Gäste kommen? Ich lehne das ab. Unter drei Gängen mache ich es nicht. Ich liebe lange Abende bei Tisch, immer wieder kommt eine kleine Köstlichkeit auf den Tisch, ein neuer Gang – nix Kompliziertes! Ich möchte an diesem Abend für meine Gäste da und nicht ausdauernd in der Küche verschwunden sein. Doch egal, ob Pasta oder Dreigang-Menü, am allerwichtigsten ist:

Die perfekte Planung

Ich bin gelernter Koch, doch auch für mich gilt: Gäste sind keine Versuchskaninchen und ich muss an diesem Abend nichts beweisen, außer vielleicht meine Qualitäten als entspannter Gastgeber, der für seine Gäste da ist, an Gesprächen teilnimmt und nicht mit wortreichen Abhandlungen über die Genialität seiner neusten Komposition nervt.

Entspannt bin ich, weil ich gut vorbereitet bin.

Das Abfragen von Unverträglichkeiten und Allergien gehört für mich zum guten Ton, danach erst denke ich mir das Menü aus. Das ist gern saisonal, da habe ich die jeweils besten Produkte auf dem Teller und das zum guten Preis.

Bestimme Spezialitäten, Fische, Meeresfrüchte, die Weihnachtsgans, oder spezielle Fleischzuschnitte müssen vorbestellt werden, es ist ratsam das mit viel Vorlauf anzugehen!

Mein Einkaufszettel ist in Rubriken aufgeteilt, kategorisiert nach Gemüse, Fisch, Fleisch, Milch und Käse sowie „Sonstiges“ So habe ich eine effiziente Übersicht und bin beim Einkauf schneller unterwegs. Gerade für die Kategorie „Sonstiges“ gehe ich im Vorfeld konzentriert die Küchenschränke durch nach dem, was noch da ist. So wird Nachhaltigkeit umgesetzt. Sie werden staunen, wie viele Gewürze sie gesammelt haben, Essig und Mehl ist auch noch reichlich da und mindestens drei angebrochene Packungen Puderzucker.

Bei den Getränken kenne ich meine Gäste und ihre Vorlieben: Manu trinkt keinen Alkohol, Mauro trinkt am liebsten und ausschließlich Weizenbier, Kathie liebt Sekt, und nur Astrid und ich trinken gegen später gerne auch ein gutes Glas Rotwein. Dementsprechend kaufe ich ein und rechne großzügige: mindestens zwei-drei Flaschen deutschen Winzersekt (da gibt’s echte Knaller in Champagner-Qualität, fragen Sie mal ihren Weinhändler um die Ecke!), dazu pro Person eine Flaschen Wein (das ist viel, es wird ja aber nichts schlecht) und natürlich Bier und reichlich Mineralwasser. Alle Getränke bitte mindestens 12 Stunden vor dem Mahl einkühlen!

Alkoholfreies sorgt nicht nur bei Manu für Abwechslung: verschiedene Säfte und spannende Limonaden, auch Tonic Water und Ginger Ale sind immer gute alkoholfreie Alternativen, auf Eis und mit Limette serviert. Wer richtig glänzen will, schaut zuvor in Nicole Klauß Buch “Die neue Trinkkultur” mit vielen auch ausgefalleneren Pairings und Rezepten, das gibts jetzt auch als Taschenbuch bei Piper.

Kochen & Servieren

Auch mit dem Kochen beginne ich früh: Was lässt sich am Vortag vorbereiten, was am Tag der Abendeinladung selbst? Am besten bereiten Sie so viel wie möglich vor, mis en place nennt das der geübte Koch, der auch nicht in Stress geraten will. Bestenfalls müssen Sie am Abend selbst nur noch Speisen erwärmen, braten, zusammenrühren, anrichten.

Ganz wichtig beim Anrichten: Ihre Gäste verdienen gewärmte Teller, das ist wirklich essentiell: Wärmen Sie Teller und Serviergeschirr für heiße Speisen vor! Ein kalter Teller (und das ist er bereist bei Raumtemperatur) ruiniert jedes Gericht in minutenschnelle, alles erkaltet auf kalten Tellern schneller als gegessen werden kann. Und wir wollen doch das Essen, in das wir Zeit und Liebe investiert haben, auch in Ruhe genießen! Das vorwärmen der Teller klappt prima im geheizten Ofen bei 50 Grad. Teller für viele Gäste lassen sich folgendermaßen erwärmen: im Ofen auf 80 Grad erhitzen und dann in eine Wolldecke geschlagen unter Bettwäsche begraben. Schüsseln und Schalen lassen sich mit heißem Wasser gefüllt auf Temperatur bringen. Ja, das ist ein Detail, aber es lohnt sich.

Das "Drumherum"

Während ich in der Küche werkle, kümmert sich meine Frau um das „Drumherum“, eine gender-neutrale Aufgabenteilung, mit der wir uns beide wohlfühlen. Gemeinsam besprechen wir das Menü und das Geschirr dazu, meine Frau macht sich ans Styling, dazu gehören bei uns immer auch Kerzen, Blumen, Blüten oder Gräser … und Musik ist ungemein wichtig!

Musik-Geschmäcker sind verschieden, darum soll es aber bei einer Einladung auch erst mal nicht gehen. Auf meinem Rechner (der über die Anlage gespielt werden kann) findet sich eine Playlist die „Gästeliste“ heißt, eine mehrstündige Mischung aus eher zurückhaltenden Downbeat-Nummern, freundlichem Easy Listening, New Jazz, Funk, fröhlichem Swing und Latin, ein bisschen entspannter Hip Hop … das ist keineswegs Hintergrund-Gedudel, denn auch wer hinhört, wird seine Freude haben. Viel wichtiger ist aber: nix nervt, die Stimmung ist relaxed. Auf Spotify habe ich für Sie eine solche entspannte musikalische Weltreise von über dreieinhalb Stunden zusammengestellt, zu finden unter: Blaue Stunde – Musik zum frühen Abend. Viel Spaß!

Huch, die Gäste kommen!

Dank bester Vorbereitung sind wir relaxte Gastgeber und das gilt auch für ein Dauerthema: Schuhe aus! Das geht gar nicht. Ernsthaft. Ich verstehe die Sorge ums gute Parkett, den schönen Teppich. Beides lässt sich aber leicht wischen oder saugen. Dafür nötigen Sie bitte nie wieder eine Frau, ihre Schuhe auszuziehen: Die Wahl der Schuhe ist wohldurchdacht und gehört zum Gesamt-Outfit! Auch Männer seien bitte künftig verschont, die Herren tragen ja gerne mal Socken in oft fragwürdigem Design und Zustand und das will doch keiner sehen! Gäste-Puschen (Museums-Latschen) sind übrigens indiskutabel, die gehen wirklich gar nicht.

Musik an, Herd hochfahren, den Sekt öffnen (nicht die Korken knallen lassen, der Prickel darf nur leise seufzen, dann sprudelt er schöner im Glas und nicht auf dem Teppich) und los geht der wunderschöne Abend!

In Japan hat man für solche Zusammenkünfte einen beinahe schon philosophischen Spruch, den man vor dem ersten Zuprosten gemeinsam aufsagt:

Ichi Go Ichi E!

Das bedeutet ungefähr: Lasst uns aus diesem einmaligen Zusammentreffen, diesem einzigartigen Moment das allerbeste machen! Oder schlichter: So jung kommen wir nicht mehr zusammen!

Und um diesen Moment zu feiern, reicht übrigens auch „eine einfache Nudel“! Behauptet zumindest meine Frau.

Linktipps: Weiterlesen in den Tipps und Beiträgen für eine gelungene Feierei:

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