Von Rotweinbomben und Restsüße – kleine Weinempfehlung zu Gänsebraten und Lebkuchen

Wein zum Weihnachtsfest - einer erste Orientierungshilfe

Ich schreibe selten über Wein. Das liegt daran dass ich kein Weinkenner bin, sondern Weinenthusiast, ein fröhlicher Genusstrinker, der sich zu selten Notizen macht. Gottlob gibt es großartige Weinschreiber*innen wie Paula Bosch, Christina Fischer und Madelyne Meyer, Sebastian Bordthäuser, Hendrik Thoma, oder Christoph Raffelt, um nur mal meine Top-Favoriten zu nennen. Sie alle eint eine fachlich fundierte Tiefe, bei gleichzeitig größter Offenheit und dogmenfreier Entspanntheit, die es ihnen ermöglicht, uns die Weinwelt verständlich zu erklären, oft mit erfrischendem Humor. Ihnen im Netz zu folgen, ist immer ein Gewinn.

Worüber ich aber gerne auch schreibe, ist das Verhältnis zwischen Wein und Speisen. Und auch da lerne ich noch jeden Tag dazu. Thema Weihnachtsweine, beispielsweise. Zu Gans, Blauschimmelkäse und Marzipan. Eigentlich einfach. Aber.

Von Rotweinbomben und Meditationsweinen

In der alten Zeit pflegte mein Vater zu Weihnachten, insbesondere zum Gänseschmaus, schwere Rotweinbomben und Meditationsweine aus seinem Keller zu servieren, jahrelang lagerten die Weine dort, gleich neben der Sauna und unter Bedingungen, die gestandene Weinkenner in Tränen ausbrechen ließen. Im Ergebnis hatte es die Gans schwer, neben so viel Holz im Glas, dem Geruch von vergorenem Dörrobst mit schwerem Tabak, würzigen Kräutern … und leider gerne auch einem Hauch von Kork.

Ich gestehe, jahrelang schwang auch ich in Familientradition der Rotweinkeule zum Fest der Liebe, mit dem einzigen Unterschied, dass ich einen Weinhändler die Granaten für mich lagern und reifen ließ. Ein Erweckungserlebnis mit Bekehrung erlebte ich vor ein paar Jahren, als der schwere Wein ausgesüffelt war und ich in Folge einen jüngeren deutschen Spätburgunder aus der Pfalz öffnete – der sich als perfekter Begleiter zur Weihnachtsgans entpuppte. Und zwar gerade wegen seiner Frische, seiner fein balancierten, fruchtigen Würze und der angenehmen Säure, die das knusprig-fette Geflügel formidabel schwimmen ließ und auch das Rotkraut und die dunkle Sauce perfekt begleitete, ohne mit dem Gericht in Konkurrenzstreitigkeiten zu treten.

Seitdem serviere ich gerne leichtere deutsche Rotweine zum Fest, Spätburgunder natürlich, aber auch, aus meiner Schwäbischen Heimat, einen Trollinger oder Lemberger (Blaufränkisch) oder Zweigelt aus Österreich. Das sind alles Weine, die prinzipiell gut auch zu Wild- und Schmorgerichten, zu fetten Braten gereicht werden können und auch zu Käse schmecken – wenngleich heute viele beim Käse eher auf halbtrockene Weißweine setzen, aber Dogmen und Trends sind so eine Sache, es zählt der individuelle Geschmack!

Den Lieblingswein finden - die Suche beginnt: jetzt!

Ein etwas einfacher Spruch zu Weinqualitäten geht so: es gibt nur zwei Arten von Wein: schmeckt oder schmeckt nicht. Gut gemeint, aber so einfach ist es dann doch nicht, auch Geschmack kann und sollte sich entwickeln, so wie sich ein Wein mit der Zeit sogar im Glas noch entwickelt und verändert (in jede Richtung). Wie findet man denn jetzt den Wein, der nicht nur zum Gänsebraten, sondern auch noch zu einem selbst passt?

Fragt und löchert dazu die Weinhandlung um die Ecke, geht zu Tastings, fotografiert und googelt Weine, die im Restaurant oder bei Freunden geschmeckt haben. Studiert die Weinempfehlungen der Fachleute online und  in den Foodmagazinen und nicht zuletzt und  eigentlich zuallererst: probiert Euch auch schon mal vor dem Fest und in der Adventszeit gemeinsam durch potentielle Wein-Kandidaten – das kann ein sehr schöner vorweihnachtlicher Winterabend in kleinerer oder größerer Runde werden! (Wasser, Brot und kleine Knabbereien nicht vergessen!)

Rotwein und Bikram Yoga

Wirklich wichtig ist die Trinktemperatur bei Rotweinen, selbst im Restaurant wird Rotwein ziemich oft viel zu warm serviert. Gerade an Weihnachten stehen die armen Weinflaschen gänzlich ungekühlt in der überheizten Wohnung. Diese Weine sind dann nicht sie selbst, sie riechen und schmecken unangenehm alkoholisch. Die von mir oben empfohlenen, frischen und tanninarmen Rotweine können durchaus für ein Stündchen in den Kühlschrank und entfalten bei 14-16 Grad ihr ganzes Aroma. Selbst die ehrwürdigen Rotweinbomben meines Vaters schmecken bei 16-18 Grad wesentlich besser als bei der vielzitierten „Zimmertemperatur“, die aus Zeiten stammt, da noch nicht hochgeheizt wurde, als erwarte man gleich noch einen Bikram-Yoga-Kurs zum Gänseschmaus.

Süßer die Gläser nie klingen - Wein zu Lebkuchen, Käse und Pâté!

Ganz weihnachtlich wird es mir persönlich auch gerne mit Kabinettweinen, Süßweinen, Beerenauslesen, Gewürztraminer, Riesling Feinherb und Eisweinen aus Deutschland, die sind allerdings rar und teuer, dabei ihr Geld wert. Bei den natursüßen Weinen lohnt auch der Blick nach Frankreich, ins Bordeaux, Sauternes und Cadillac lauten die Zauberworte. In diesen Appellationen entstehen die durch Edelfäule speziell aromatisierten fruchtig-floralen Süßweine. Ganz allgemein sollten edelsüße Weine immer gekühlt serviert werden, zwischen 9-12 Grad entfalten Sie ihre ganze Würze und ihr Aroma, ohne alkoholisch zu wirken. Bereits ab ca. 9 Euro gibt es anständige Qualitäten. An Weihnachten schmecken sie zur feinen Leber-Pâté, zu luftgetrocknetem Schinken, zu Käse und Edelschimmelkäse, ganz besonders gut auch zu Stollen, Lebkuchen und Marzipan.

Ich wünsche schonmal viele schöne Entdeckungen für ein fröhliches Fest!

Linktipps: Weiterlesen in den Tipps und Beiträgen für eine gelungene Feierei:

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