Australien (2): “Good fun – that’s what Craftbeer-Brewing is all about.” – Besuch der Feral Brewery

PicMonkey Collage1 (v.l.n.r.:Brauer Will Irving, Chef Brendan Varis)

Langsam wechselt die Nachtkühle mit der angenehmen Wärme früher Sonnenstrahlen, der tiefblaue Himmel verspricht einen wunderschönen Tag. Im Schatten der Bäume picken Hühner auf roter Erde, in langen hölzernen Trögen wachsen Petersilie und zwei Sorten Basilikum, Majoran und rot-gelbe Chilischoten, ein Trupp Gänse schlägt schnatternd Alarm, wir sind entdeckt. Von der Terrasse des Lodge-artigen Farmhauses ist Musik zu hören, aus den Lautsprechern tönt, was ich mir nicht hätte besser ausdenken können, tatsächlich „Going up the Country“ von Canned Heat.

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Die Feral Brewery ist ein Idyll, zumindest hier im Stammhaus mit Minibrauerei und Restaurant, erklärt uns später Brendan Varis, der Eigentümer, eine knappe halbe Stunde von hier findet sich eine zweite, weitaus größere Brauerei in der viele der insgesamt 28 Biere von Australiens meistprämierten Brauerei entstehen. Dort aber, erfahren wir, gäbe es eben Tanks zu sehen, das hier ist: „the romantic side of Feral“. Understatement natürlich, denn das Stammhaus mit dem Restaurant finanzierte die ersten 10 des 13 Jahre jungen Unternehmens: „Hospitality was selling the bills.“ Vom Bier können die Brauer erst seit ungefähr drei Jahren leben.“ Das hat mit der auch in Australien noch recht jungen und wachsenden Craftbeer Bewegung zu tun – und den vielen Preisen die Feral im Zuge dessen, insbesondere für sein berühmtes Hop Hog Bier, gewonnen hat. 10 % des australischen Biermarktes macht Craftbeer mittlerweile aus. Was Craftbeer genau ist, ist auch in Australien öfter noch ein Politikum, Feral hat von Beginn an gutes Bier in Handarbeit gebraut, ohne Konventionen, lustvoll und nur sich selbst verschrieben: „Wir sind hier im ländlichen Swan Valley etwas isoliert, diese Lage hat uns frei gemacht, wir machen hier schon immer unser Ding.“ Schnell haben Brendan und seine Brauer auch auf Vielfalt gesetzt und experimentiert: „Das ist ja sonst so, als würdest Du sagen: hey ich habe hier tolles Gemüse, es ist alles Brokkoli!“, Brendan lacht: „Good fun – that’s what Craftbeer-Brewing is all about!“

Und der Spaß schmeckt. Beispielsweise die Berliner Weiße „Watermelon Warhead“ benannt nach einem sauren Lolly aus Brendans Kindheit und eine erfrischend perlig-spritzige Angelegenheit die mit Wassermelonenpüree fermentiert kurz ins Chardonnay-Fass durfte. Knaller! Oder Knuckles, das dunkelfunkelnde, mit Cold Drip Coffee fusionierte Ale, hauchfein ausbalanciert und bereits der Duft ist betörend. Und das ist diese andere Sache, die neben aller Romantik doch sehr für das Stammhaus spricht, hier gibt es ständig 16 Biere des Hauses gekühlt, on Tap und viele davon gibt es auschließlich nur hier. Schön, dass es das noch gibt, in Zeiten der Allerhältlichkeit. Dass man reisen muss. Dass man los muss um etwas zu erleben, zu erschmecken, zu genießen. 40 bummelige Autominuten sind es von Perth aus.

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Auch in der Küche, die zu Feral gehört, denkt man in Bier, kocht mit und zu Bier. Jetzt sitzen wir mit wenigen Gästen auf der weiten wunderschönen Veranda und schauen ins Land, auf Weinreben, zwischen Bäumen ein Kinderspielplatz. Am Wochenende kommen täglich über tausend Besucher zu Lunch oder Dinner, genießen das gute Essen von Küchenchef Jon Russel und seinem Team. Beliebt bei den Ausflüglern sind die Probier-Tablets mit je sechs kleinen Feral-Bieren, die Chef Brendan Varis und Braumeister Will Irving zusammengestellt haben, Vairs Auswahl ist gefälliger, Irvings Tablet eine spannende Verkostung für Fortgeschrittene und Connaiseurs. Unsere Gäste, erzählt Varis, sind bestenfalls zwischen 8 und 80 Jahre alt, Kinder sind gerne mitzubringen und kurz nach Ankunft verschwunden, der Chef lacht und erklärt die Philosophie hinter dem Restaurant: „The Food is important. It brings beer back to the table.“ Er winkt seinen Location-Manager Matt Shiel herbei. Nach kurzer Beratung wird aufgetischt.

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Wir genießen zarte Rinder-Rippen (s.o.) in dunkler Bierjus, geschmortes Kaninchen, gegrillten Mais mit Paprika und grüne Bohnen mit Knoblauch-Crunch und süß karamellisierten Chilis. Alles ist aus regionalem Anbau und Aufzucht, alles ist haus- und handgemacht. Das Bier zum Essen lässt die Speisen leuchten und umgekehrt, wir diskutieren kurz die Promillegrenze für Autofahrten in Australien (0.4%) und dürfen glücklicherweise zum Abschied noch ein winziges Schlückchen vom federleichten „José Gosé“ genießen, ein lebendig perlendes Bier, das nach Birnen duftet und sich mit einer raffinierten Salz-Note verabschiedet Und auch wir sagen auf Wiedersehen und verabschiedenen uns von Brendan Varis und seinem herzlichen Team, von diesem paradiesischen Fleckchen Erde, auf dem gutes Bier zuhause ist und immer wieder lustvoll neu erfunden wird.

Fotos: Haug/Paul

Die ganze Reise, alle Links:

Australien (1): a big night out in Perth
Australien (2): “Good fun – that’s what Craftbeer-Brewing is all about.” – Besuch der Feral Brewery
Australien (3): Mr. Wong rides the Bamboo
Australien (4): Streetfood in Perth
Australien (5): Who needs Lobster! – Sardinenfischen vor der Westküste Australiens
Australien (6): Begegnung mit Poh Ling Yeow, Australiens bekanntester TV-Köchin

Offenlegung: Wir danken Tourism Australia und Tourism Western Australia für die Organisation und Unterstützung unserer Produktion.

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