Kochbücher & Kulinaria – meine Jahresrückblicksempfehlungen 2013

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Es war in diesem Jahr wenig Zeit zum Bloggen, ganz besonders die Buchrezensionen sind zu kurz gekommen. Der traditionelle Jahresrückblick ins kulinarische Bücherregal enthält darum diesmal überwiegend Bücher, die ich hier im Blog noch nicht besprochen habe. Auch sind in diesem Jahr nicht ausschließlich nur Kochbücher im Rennen, sondern auch kulinarische Lektüre und sogar eine Graphik Novel. Nach 2010, 2011 und 2012 hier nun meine zehn kulinarischen Lieblingsbücher 2013 – aus der Genußabteilung und für den Gabentisch empfohlen. Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar, die sind alle super! Die blauen Links unter den Kurzbeschreibungen führen nicht zum Amazon, sondern im Regelfall auf die Buchseite der Verlage oder, sollte ich das Buch schon besprochen haben, zur Rezension im Blog. Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern und Entdecken.

1.

paula

Dieses Buch kommt gerade rechtzeitig! Denn das neue Werk der schwedischen Kunsthistorikerin Charlotte Birnbaum begleitet Genießer durchs ganze Jahr, beginnend mit dem 1. Januar, einem gepflegten „Kater“ und dem Rezept für Prärie-Austern. Der prächtige Almanach versammelt Wissenswertes, Kurioses, Döntjes und Anekdoten aus der großen Welt der Kulinarik, mit historischen Rezepten und trefflichen Bonmots aus der Kulturgeschichte des Kochens – ein wahrhaft lukullisches Vergnügen, das klüger macht. Das liebevoll gestaltete Buch (alleine schon das schöne dicke Papier!) mit bezaubernden Illustrationen von Christa Näher ist ein Gewinn und bestens auch als schönes Geschenk zum Jahreswechsel geeignet.

PAULAs JUWELEN, Charlotte Birnbaum

2.

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Ein Knaller! Das Buch Who put the Beef in Wellington. 50 culinary classics, who invited them, when and why des britischen BBC Autors James Winter, ist jetzt in deutscher Übersetzung im Callwey Verlag erschienen. Wie die Helen zur Birne kam ist ein großartiges Buch, spannen und erhellend, sind die launig erzählten Geschichten zu 50 Klassikern der Kulinarik, vom Ceasars Salad über Pommes Anna bis zu Krönungshühnchen und Martini-Cocktail. Die interessanten Lesestücke (deutsche Übersetzung: Christa Trautner-Suder) sind mit historischen Fotos und Illustrationen ansprechend bebildert und eine tolle Ergänzung. Einen weiteren, dicken Pluspunkt gibt es für die appetitanregende Foodfotografie von Isobel Wield, die Rezeptklassiker sind wirklich wunderschön licht, modern und aufgeräumt in Szene gesetzt. Es ergeht uneingeschränkte Kaufempfehlung, dieses Buch macht lange Freude.
Wie die Helen zur Birne kam, James Winter

3.

sandyfawkes

Health for Hooligans, so der Titel der Orginalausgabe von Sandy Fawkes Anleitung für leidenschaftliche Trinker. Fawkes erkannte bereits 1982: „Wir Trinker spielen in der Welt eine so wichtige Rolle, dass wir auf uns selbst Acht geben sollten. Wir müssen fit bleiben, damit wir auch morgen noch fröhlich Unfug anrichten können.“ Ihr Handbuch für das leichtfertige Leben versammelt Techniken, die die Folgen konzentrierten Trinkens mildern, Trinkertypen (vom Berufsjugendlichen bis zum Lehrer) und Problematiken (von blutunterlaufenen Augen bis zur Melancholie) werden aufgezeigt und lindernde Lösungen angeboten. Hab ich natürlich im Selbstversuch ausprobiert. Seitdem dope ich mich vor strapaziösen Barnächten mit Zink und Vitamin B-Komplex in hoher Dosierung. Sie werden staunen. Das sehr lustige und kurzweilige Büchlein wurde von Ingo Herzke übersetzt.
Ernährungsgrundlagen für den leidenschaftlichen Trinker, Sandy Fawkes

4.

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Aus dem Christian Brandstätter Verlag, in dem auch mein eigenes Kochbuch “Deutschland Vegetarisch” erschienen ist, kommt Dots Cooking-Experimental Asia, das erste Kochbuch des umtriebigen Wiener Gastronomen und Kochs Martin Ho. Das Buch setzt gestalterisch Maßstäbe und hat vieles, was ich von einem heutigen Kochbuch erwarte: eine eigene, emotionale Bildsprache, es menschelt angenehm (Gästeportraits, Spitzenidee!), graphisch sehr ansprechend präsentiert sich Hos ausgefallen-verspielte Asia- und Shushi-Küche, auf dickem Papier mit offener Rückenbindung. Funky! Zu essen gibt es beispielsweise Wagyu Burger im Brioche, Beef Tepanyaki mit Trüffel-Wasabi und Karottenpüree, Wiener Schnitzel mit vietnamesichem Krautsalat, Crab Rolls, Pho Bo, eine Shushireis-Sashimi-Pizza oder Marzipan Maki mit Himbeersauce, dazu Unmengen neuer Cocktails. Macht einfach Spaß. Dots Cooking-Experimental Asia, Martin Ho

5.

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Ich besitze ehrlich gesagt keinerlei Kompetenz in der Beurteilung von Kochbüchern für Kinder. Ich hab selbst keine Kinder, beobachte aber im Bekanntenkreis, dass sich der Großteil aller Kinder in den ersten zehn Jahren ausschließlich von Nudeln ohne alles, oder Nudeln mit Salz und Butter zu ernähren scheint. Ein Kochbuch macht da, glaube ich, Sinn – obs funktioniert vermag ich nicht zu beurteilen. Beurteilen kann ich aber das Buch meiner geschätzten Kollegin, der Kochbuchautorin und Foodstylistin Claudia Seifert selbst. Das ist nämlich ziemlich grandios! Das prächtige Buch ist wunderschön lebendig fotografiert von Julia Hoersch, Stylistin Nelly Mager und Graphikerin Gesa Sander haben das Buch liebevoll und mit viel Witz gestaltet und illustriert. Kindgerecht aufbereitet, ja! – verzichtet wurde auf die anbiedernde Niedlichkeit rosaroter Bonbonwelten anderer Kinderkochbücher, die Zielgruppe wird ernst genommen und auch die Rezeptideen gehen weit über die üblichen Kindergerichte hinaus. Ganz toll die edukativen, erklärenden Seiten zu Kräutern und Pflanzen, die vielen Extratipps und kreativen Ideen für Unternehmungen und Küchenpartys. Diese Buch macht Spaß und schmeckt auch Erwachsenen.
Kinder kocht!, Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch, Nelly Mager (mit Blick ins Buch!)

6.

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Foodblogs werden immer populärer und die geschätzte Kollegin Ariane Bille vom Kulinarische Momentaufnahmen-Blog ist in ihrem Buch “Foodblogs” der Sache auf den Grund gegangen: 12 Foodblogger im Portrait, das Buch eine wunderschön gestaltete Wundertüte mit Interviews und Rezepten, eine Mischung aus Koch- und Lesebuch, reich bebildert und für Sofa und Küche gleichermaßen ein Gewinn. Meine ausführliche Rezension des Buches, finden Sie hinter dem Link:
Foodblogs, Ariane Bille

7.

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Aus dem gleichen Verlag, in dem Arianes Buch erschienen ist, kommt eines meiner absoluten Lieblingskochbücher des Jahres: New York Streetfood ist ein wunderbares Sehnsuchts-Bilder-Lese-Kochbuch, lebendig und ungekünstelt fotografiert, üppige und informative Lesestrecken, auch hier menschelt es schön, Einblicke, Begegnungen, Rezepte, eine tolle Reise! So müssen Kochbücher sein. Die Rezepte will ich alle sofort nachkochen, vom Hummerbrötchern über das kreolische Brathähnchen, Kalbsherzspieße, Gemüse-Tajine bis zum Key Lime Pie – alles dabei. Ist natürlich ein Lizenzkauf. Wann fangen wir endlich an, solche Bücher auch aus dem eigenen Land heraus zu realisieren? Vertrauen wir doch mal auf das Talent und die Kreativität unsere eigenen FotografInnen, KochbuchautorInnen und StylistInnen.
New York Street Food, Tom Vandenberghe, Jacqueline Goossens, Luk Thys

8.

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Ich kann das ja nicht so richtig. Backen und so. Diesen ganzen Süßkram. Ich bin da einigermaßen hilflos und blicke stets mit respektvollem Staunen in die süßen Blogs befreundeter Foodbloggerinnen. Eine, die alles kann, ist Nicole Stich deren englischsprachiger Foodblog delicious days mundwässernde Photographie und kreative Rezeptideen verbindet. Ihre besten süßen Ideen liegen jetzt als Buch vor, z.B. Schokoholics Pralinentarte, Holler-Panna Cotta oder Grünteetrüffel. Klassiker vom French Toast bis zum Germknödel finden sich im Buch, genauso wie Kindheitserinnerungen an Pfannkuchen & Co. Und das Beste: die Rezepte funktionieren. Das kann ja sogar ich jetzt.
Sweets, Nicole Stich

9.

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Manchmal werden Wünsche wahr. Im Sommer 2013 schickte mir die HFBK-Studentin Sohyun Jung eines von nur 50 gedruckten Exemplaren ihrer kulinarischen Graphik Novel „Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen – eine kleine Reise in die koreanische Küche“, eine wunderschön getuschte Geschichte über Kimchi und Heimweh. Begeistert habe ich damals das Buch hier im Blog vorgestellt und drauf hingewiesen, das Sohyun Jung einen Verlag sucht. Dann habe ich ein bißchen telefoniert. Die Tinte unter dem Vertrag ist noch nicht ganz trocken, nur soviel: Sohyun Jungs Buch erscheint demnächst und ich werde das selbstverständlich hier bekannt machen, wenn es soweit ist. Bis dahin gibts Vorfreude unter folgendem Link:
Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen – eine kleine Reise in die koreanische Küche, Sohyun Jung

10.

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Nicht zuletzt (!) sei an dieser Stelle nochmals Lutz Geißlers Das Brotbackbuch – Grundlagen & Rezepte für ursprüngliches Brot ofenwarm empfohlen. Seit 2009 betreibt der Geologe sein Plötzblog – eine Online-Backstube in der Geißler die Geheimnisse von Bauernbrot, Brezel und Baguette erforscht. Die zahlreichen Rezepte sind mundwässernd bebildert, die Rezepte mit Akribie und Hingabe notiert. Nur das perfekte Ergebnis ist gut genug für Lutz Geißler. Videoanleitungen sorgen für visuelle Unterstützung, Tipps und Tricks rund ums Thema runden das Angebot ab. Jetzt hat Lutz Geißler ein Buch zum Thema geschrieben, im Juli erschien Das Brotbackbuch im Eugen Ulmer Verlag. Auf alleine über 100 Seiten ist das Grundlagenwissen zum Thema zusammengefasst: „…von wichtigem und unnötigem Zubehör über Warenkunde, Teigführungsmethoden, Möglichkeiten der Beeinflussung der Vorgänge im Teig, bis hin zu handwerklichen Fähigkeiten wie Dehnen und Falten, Kneten, Wirken oder Einschneiden von Teiglingen.“ schreibt Lutz Geißler selbst über sein Buch im Plötzblog. Neben dem „Wie“ erklärt Lutz Geißler auch das „Warum“. Er möchte einerseits zeigen, wie einfach Brotbacken sein kann, „luftig-lockeres“-Halbwissen will er aber nicht vermitteln: Interessierte und Fortgeschrittene haben die Möglichkeit, sich bei Bedarf sehr intensiv ins Thema einzulesen. Das Buch dürfte der neuer Klassiker unter den Brotbackbüchern sein.
Das Brotbackbuch – Grundlagen & Rezepte für ursprüngliches Brot

Nicht in der Top 10, aber 2013 auf NutriCulinary ausführlich besprochen und empfohlen wurden zudem:

supen. Eine Betrachtung der flüssigen Speisen, Dieter Froelich

My favorite things, Tim Raue

Die Stadt kocht – Das Berlinkochbuch, Florian Bolk und Eva-Maria Hilker

Speisende soll man nicht aufhalten, Patrick Stäbler

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