Sherryland – eine Entdeckungsreise (2): die Weinberge, Sanlúcar de Barrameda, La Guita, Barbadillo, Sherrymenü im La Carboná

La Guita Kellermeister José Manuel mit Pilar García (Foto: Jan Bürgermeister)

In der Morgenkühle eines neuen heißen Tages geht es von Jerez in Richtung Sanlúcar de Barrameda, der meernahen Stadt an der Mündung des Flusses Guadalquivir, der Heimat des Manzanilla Sherry. Es sind die speziellen Klimaverhältnisse dort, die den Manzanilla so eigen machen, zwar nahe dran am trocken-frischen Fino Sherry und dennoch mit einer eigenen leichten Süffigkeit, feiner Säure, einem Hauch Salz und Aromen von Mandeln, von Weißbrot, grünen Oliven und Kamille – dabei trocken und mit einem spannenden, leicht bitteren Nachhall. Sie ahnen es, ich liebe Manzanilla Sherry.

Um einen Wein zu verstehen, lohnt der Blick in den Weinberg und wir machen einen Abstecher ins Weinanbaugebiet Macharnudo. Auf den knochenbleichen, staubtrockenen Albarizaböden gedeiht die Palomino Fino Trauben unter der sengenden andalusischen Sonne. Uralte Reben (teils über 20 Jahre alt) mit bis zu sechs Meter tiefem Wurzelwerk. Die kalkreichen Albariza-Kreidemergel-Böden funktioniert wie ein Schwamm.


Winzer José Manuel Malvido (Foto: Jan Bürgermeister) erzählt von der Arbeit im Weinberg und erklärt uns die “Bodenwellen” zwischen den Rebzeilen: die Ernte ist jetzt, Anfang September, längst eingefahren und der Weinberg wird auf die winterliche Regenperiode vorbereitet.Traktoren treiben Erdwälle in den Boden (“asperiado”), in denen sich das Wasser sammeln kann, gleichzeit wird das Abschwemmen des Bodens verhindert. Nach der Regenzeit wird der Boden wieder glatt gezogen, schnell bildet sich eine Kurstenschicht, die eine Verdunstung des gespeicherten Wassers verhindert. Auf Sherrywines.de erfährt man mehr zum Weinanbau im Sherry-Dreieck!

Die charmante Pilar García heißt uns wenig später in Sanlúcar de Barrameda und der Bodega La Guita willkommen. La Guita ist ein sonnengelb-strahlendweiß gestrichenes Schmuckstück mit 150 jähriger Geschichte, mitten in der Stadt – hier wird der berühmte Manzanilla Sherry mit der Kordel hergestellt. Vier Jahre im Solera System gereift, ein kühles, fruchtiges Vergnügen mit nussigen Noten, mineralisch-frisch. La Guita ist in Deutschland auch ohne größeren Aufwand in Fachgeschäften erhältlich (in Hamburg z.B. im Alsterhaus) und mir ein echter Lieblingssherry. Nach einer Fassverkostung in kühlen “Keller” der Bodega, dürfen wir im Rahmen einer Verkostung das Sherry-Schatkästchen der Bodegas Valdespino öffnen, einer weiteren Bodega der Grupo José Estévez, zu der auch La Guita seit 2007 gehört.

Hier zeigt sich mal wieder was Sherry kann, was Sherry alles sein kann, ein frisches leichtes Vergnügen, aber auch ein hochkomplexer Meditationswein im Glas.

Weiter geht es zu Barbadillo, einem Giganten mit insgesamt 17 Bodegas in Sanlúcar, unfassbare 35 Millionen Liter Sherry ruhen und reifen in insgesamt 50.000 Fässern, Zahlen, die auf einer Übersichtskarte nachzulesen sind, die im hauseigenen Museo de la Manzanilla (in der Barbadillo Bodega La Arboledilla, in Sanlúcar) findet, mit Besucherzentrum und Andenkenladen. Das Museum ist unbedingt einen Besuch wert, hier ist alles Wissenswertes rund um den Sherrywein und die Sherryproduktion, sehr anschaulich aufbereitet, dankenswerter Weise auch mit ausführlichen Lesetafeln in deutscher Sprache!

Ebenfalls eindrücklich: La Cathedral, ein architektonisches Meisterwerk, in dem ein ausgeklügeltes Kühlsystem steckt! 1876 von Cipriano Terán Carrera erbaut, mit sechs 118 Meter langen Hallen und einer Höhe von 12,5 Metern. Meterdicke Mauern und die Ausrichtung nach Nordwest (mit kühlen feuchten Winden vom Meer) sorgen dafür, dass die Temperatur in La Cathedral selbst an heißen Tagen konstand bei um die 20 Grad liegt. Der Wind tritt durch kleine, hochliegende unverglaste Fenster ein und verwirbelt in den kleinen runden Aussparungen der Bogenwerke – Air Conditioning von 1876!

Auch das ist das Reich von Kellermeisterin Montse Molina, verantwortlich für die insgesamt 60 verschiedenen Weine des Hauses. Ein paar davon dürfen wir verkosten, da sind rare Sherry Weine dabei, die daheim nur schwer zu bekommen sind, allein für diese Erfahrungen und Geschmäcker lohnt die Reise ins schöne Sherryland – und natürlich die Kombination von Sherry und spanischer Küche!

Unser Gastgeber bei Barbadillo, der überaus charmante Arne Bijsterveld, führt uns am Mittag in die Marisqueria Poma, direkt am Wasser gelegen. Wir meiden die überfüllte Terrasse und werden mit einem wunderschönen Tisch im ersten Stock belohnt, direkt an den geöffneten Fenstern, es weht ein laues Lüftchen, draußen hat es 34 Grad.

Hier werden Fisch und Meeressfrüchte bestellt, und die heimischen Garnelen, schlicht in Salzwasser gegart, gehören zu den besten Garnelen, die ich je aß. Es folgen Venusmuscheln in einem reichen, olivenöligen Knoblauchsud – zum reinspringen gut!

(v.l.r. im Gruppenfoto: Jan Bürgermeister (fotostate.de), Gastgeber Arne Bijsterveld (Barbadillo), Dorit Schmitt (chateau-et-chocolat.de), Gastgeberin Diana Maisenhölder (sherry.wine/de))

Die Platte mit gemischten frittierten Fischen bringt eine Überraschung: da liegen auch frittierte Seeanemonen “Ortiguillas”, eine regionale Spezialität – die Konsistenz unter der Knusperpanade erinnert an Austern, es schmeckt nach Algen und Meer. Süßer Abschluss: Tocino de Cielo (Himmlischer Speck!, einn karameliger Flan, der Name sagt alles!

Abends, wir sind zurück in Jerez, kehren wir ins La Carboná ein. Das moderne Restaurant in einer restaurierten Bodega ist auf Sherry-Foodpairing spezialisiert und der Abend dort wir zum kulinarischen Höhepunkt unserer Reise. Die Sherry-Karte ist umfassend groß, wer wenig Zeit mitbringt, kann hier sehr viele ausgezeichnete Sherryweine aus der Region pobieren – und das zu moderaten Preisen!

Das Sherry Degustations-Menü mit fünf Gängen und fünf ausgesuchten Sherrys zu 40 € macht großen Spaß, die Küche beherrscht ihr Handwerk, die Sommeliere beweist ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Weine.


Lachstatar mit Avocado, Dill und grüner Chili zum Hausmarke-Fino en Rama, Cruz Vieja, leicht, frisch, klar.


Artischocken mit heimischen Gambas in OLivenöl und Fino Sherry geschmort zum samtig-würzig frischen Bodegas Dios Baco Amontillado


Tagesfisch mit Kokossnuss- und Erdnuss-Emulsion zum aromatisch frischen Regente Palo Cortado der Bodega Sánchez Romate Hermanos


Rib Eye Steak Cantabrian Pinta zum trockenen und dennoch warmwürzigen Oloroso Bodega Sánchez Romate Hermanos – der perfect match der Reise, Steak und Olorosso, yes!


Großartiges Frischkäse-Eis mit rotem Beeren-Coulis und knusprigen Fino-Krokant zum RealTesoro Royal Cream Sherry (medium)

Tags drauf besuchen wir die Bodegen Lustau und Gonzales Byass und feiern ein Sherry Erntedankfest mit Menü – das alles im dritten und letzten Teil der Serie.

Und hier gehts zu:
Teil 1. (Jerez De La Frontera, Bodegas Tradicion, Williams & Humbert, Degustationsmenu im Albalá)

Teil 2. (Die Weinberge, Sanlúcar de Barrameda, Bodegas La Guita, Bodegas Barbadillo, Sherrymenü im La Carboná)

Teil 3. (Sherryland – eine Entdeckungsreise (3): Erntedankfest in Jerez, die Bodegas Lusta und Gonzáles-Byass, Tapas-Lunch im Cruz Blanca)

Offenlegung: ich danke dem Consejo Regulador de Jerez, sowie dem Sherry Informationsbüro Deutschland für die Einladung und ganz besonders auch unseren Gastgebern in den Bodegas! Für das Erstellen der Reiseberichte erhalte ich kein Honorar und meine persönliche Meinung bleibt auch von der Einladung selbst ungetrübt: ich bin sowieso schon seit Jahren Sherry-Fan und Botschafter.

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