Amsterdam (1): Die Stadt der kleinen Teller – De Hallen, Foodhallen, Happyhappyjoyjoy

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Gute, es gab in meinem Leben schon wohlmeinende Menschen, die mir mehrfach einen Besuch der Stadt Amsterdam ans Herz legten. Ich sollte besser zuhören. Denn insbesondere für kulinarische Reisende ist Amsterdam eine schlaraffische Stadt des lässigen Genusses und ich durfte während eines verlängerten Wochenendes lernen, dass Amsterdam in Innovation und Kreativität anderen europäischen Food-Hauptstädten wie London und Berlin in nichts nachsteht. Entlang der bildschönen Grachten und in kleinen Gässchen finden sich kleine Bäckereien, Lebensmittelmanufakturen, Restaurants, Lokale, Bier-Bars und funky Kaffees – im Wechsel mit Conzept-Stores, Modeshops und Buchläden – es ist ein Träumchen und alles lässt sich gut zu Fuß erreichen, oder mit dem Mietfahrrad.

Ankunft und Hotel

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Wir haben ein Zimmer im Hotel De Hallen, ab 83 Euro gibt es da die Nacht, wenn man Glück hat, das ist im Stadtvergleich preiswert und das hübsche Design Hotel liegt extrem günstig im aufblühenden Westend der Stadt und ganz nah an den beliebten Vierteln Jordaan, Pijp, dem Museeumsquartier und auch bis ins Old Town geht man locker zu Fuß. Riesenvorteil, wenn man mit dem Auto anreist: hier ist das öffentliche Parken mit 27 Euro für 24 Stunden noch relativ preiswert, bereits ein paar Sträßchen weiter Richtung Innenstadt sind es dann bereits 50 Euro und mehr.

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Das Hotel De Hallen, hat auch Komfort-Nachteile, so lassen sich die Fenster nicht öffnen, es gibt weder im Bad noch im Zimmer selbst ausreichend Haken für zwei Personen, für Mäntel und Handttücher, die Toilette befindet sich hinter eine Doppel-Schwingtür die wenige Privatsphäre schafft – man muss sich schon länger lieb haben, dann geht das. Aber die Lage eben!

Foodhallen

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Denn direkt neben dem Hotel, finden sich die Foodhallen, ein bißchen wie die Markthalle Neun in Kreuzberg am Donnerstagabend, nur dass hier jeden Tag Streetfoodmarket ist, es spielen Bands und DJs legen auf und es ist der perfekte Ort um einen Amsterdamaufenthalt zu starten. Nur 4 Stunden haben wir mit dem Auto von Hamburg gebraucht und gehen erstmal was essen.

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Der Cheesesandwich mit Gouda-Raclettemischung und Frühlingszwiebeln im Bauernbrot geröstet, lässt jeden amerikanischen Cheese-Sandwich alt aussehen, kross, knusprig, schmelzig und vor allem würzig! Der Französische Steaksandwich ist ebenfalls saftig, dick belegt und zart gelungen. Wir genießen Bitterballen, jenen niederländischen Klassiker, der einst zu Magenbitter und Genever serviert wurde und bis heute der Mini-Kroketten-Klassiker zum Feierabendbier ist. Diese hier sind von Sternekoch Peter Gast der auf dem Streetfoodmarkt ein fünferlei der knusprigen Bällchen anbietet, auch in den ausgefallenen Geschmacksrichtungen Tom Kah Gai und Bouillabaise. Die cremig-graue Füllung erinnert mich ein bißchen an die Pilzteigtaschen von Iglo aus meiner Kindheit und ich mochte die. Am besten sind die Klassiker, Rind und Käse.

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Weiter geht es (und es sei erwähnt, dass wir an allen Tagen da waren) mit asiatischen Köstlichkeiten, saftigen Temaki-Sushi-Tütchen, gefüllt mit luftigem Klebreis, Avocado, Wasabi-Mayonnaise und wahlweise Lachs oder Garnele. Dazu irre gute Terriyaki-Spieße und knusprige Garnelen am Spieß. Etwas zurück fällt das fritierte Hähnchenfleisch, das hier auch, Achtung, als „Burger“ im süßen Donut angeboten wird. Das erinnert ein bißchen an Chicken & Waffles, leider ist das Fleisch trocken fritiert und eine knusprig-fluffige Waffel eben doch ein besseres Kissen als ein schrumpelige Donut. Nicht probiert haben wir die ganzen Burger und Hot Dogs, wir haben keine Austern geschlürft und ich bereue die gemischte Barbeque-Platte nicht bestellt zu haben, aber: vor uns lagen ein paar Tage mit drei Restaurantbesuchen und da gilt es die Kräfte einzuteilen.

Die Stadt der kleinen Teller

In Amsterdam manifestiert sich gerade die schöne Idee der kleinen Teller, in vielen Restaurants und Lokalen werden Mini-Köstlichkeiten für kleines und mittleres Geld angeboten, das ganz geht in Richtung Tapas-Kultur und in der gehobenen Küche war beispielsweise Fergus Henderson mit seinem St. Johns Vorreiter dieser Idee. Der Unterschied zum klassischen Menü liegt in den noch kleineren Portionsgrößen, die individuell zusammenstell- und nachbestellbar sind. Das passt gut in unsere Zeit der fortschreitenden Ernährungs-Individualisierung und der interessiert Gast kann noch mehr probieren, wenn er Kapazitäten mitbringt. Alle drei Restaurants die wir an diesem Wochenende besuchen, haben sich der kleinen Teller verschrieben und wir sind gespannt.

Happyhappyjoyjoy

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happyhappyjoyjoy! Rein in den Laden und gute Laune an, der Name ist Programm! Rummelvoll ist das Restaurant, dass sich der asiatischen Straßenküche verschrieben hat, laut und fröhlich. An den Wänden bunte Drucke, Asiakitsch, Neonschriften, auf dem Tisch ein paar Saucen im bunten Plastikkörbchen, der junge Kellner stellt sich namentlich vor und verspricht sich um uns zu kümmern.

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Die Karte umfasst Gerichte aus den unterschiedlichsten asiatischen Küchen, von China über Japan, Thailand und Indonesien und das böte anderswo zumindest Anlass zur Skepsis, in Amsterdam sind allerdings diese Länderküchen allesamt zuhause und es findet sich nicht eine Langnase unter der Küchenmannschaft, die Herren sehen alles aus, als beherrschten sie ihr Handwerk, von Kindesbeinen an.

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Los geht es mit bunten Krabbenchips einem Yuzu-Highball und Sparkling Sake, die überraschend ausgezeichnet schmeckt, feiner Sake-Geschmack der auf der Zunge perlt. Wir knabbern Edamame, dazu werden Chickenwings serviert, knusprig mit zweierlei Zwiebeln und einem Hauch von Reiswein oder Sherry, toll!

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Es folgen Muscheln mit Ingwer, Korinader, Chili und einem Hauch Miso (sag ich mal), auf jeden Fall ein Schüsselchen Aromabomben in Muschelschale. Die drei gedämpften Krabben-Wan Tans, sind die besten die ich je hatte, der Teig schmilzt, die Füllung ist fluffig mit Biss. Zartsplitternd knusprig die Garnelen-Frühlingsrolle mit Erdnuss-Sojasauce.

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Als „Hauptgang“ (alles wir in Schälchen oder auf Tellerchen in appetitlichen Portionen serviert) habe ich Peking Ente bestellt, die kommt als Pulled Pork-Burger im Bao-Bun mit gezupftem Entenfleisch, frischer Gurke, Wasabi-Mayonnaise und Röstwziebeln. Das fahle Ding entpuppt sich als Hochgenuss, es ist schlicht perfekt. Wir haben auch Sticky Rice bestellt, im Bananenblatt serviert und mit würzigem Pilz-Schweinehack gefüllt, wau! Wir sitzen ein paar Stunden, glücklich und entspannt und nur der Umstand, dass wir nur einen Bruchteil der Karte kosten konnten, trübt die Stimmung. Wir müssen wiederkommen!

Später unterhalten wir uns noch kurz mit dem Service, das Restaurant eröffnete vor ein paar Monaten, seitdem ist jeden, wirklich jeden Abend knallevoll. Das mag am Julius Jaspers liegen, der Chef des Hauses ist der prominenteste TV-Koch der Niederlanden, das spielt aber wahrscheinlich garnicht so wirklich eine Rollen, denn das grandiose Konzept der kleinen Asienreise, das nuancierte Essen und die fröhliche Stimmung sprechen alleine für unser neues Leiblingsrestaurant in Amsterdam. wir freuen uns darauf, mit Freunden wiederzukommen. Ein Walk-in ohne Reservierung ist so gut wie unmöglich, also rechtzeitig planen und reservieren für ganz viel happyhappyjoyjoy.

In der nächsten Folge besuchen wir einen berühmten niederländischen Chefkoch der einst zwei Michelin-Sterne besaß, diese irgendwann netnervt zurückgab und seitdem kleine, leckere Tellerchen für seine Gäste kocht.

Amsterdam, die ganze Reise in Direktlinks:

Amsterdam (1): Die Stadt der kleinen Teller – De Hallen, Foodhallen, Happyhappyjoyjoy

Amsterdam (2): Der Sternekoch der seine Sterne zurück gab und Tim Mälzer drei Hot Dogs servierte

Amsterdam (3): Frühstück, Chinatown und Wurst und Wein

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