London (1): Gourmet Odyssey, Nahm, The Square & Wild Honey

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easyJet schuldet uns ein Glas Champagner. Den hätten wir zur Mittagszeit in der Met Bar getrunken, Auftakt zur Gourmet Odyssey und Start einer fünftägigen kulinarischen Expedition nach London, die ersten zwei Tage sind wir Gäste von Visit London. Reisekumpane Florian Siepert und ich, wir bleiben aber erst Mal am Boden der Tatsache, dass zwei Stunden Verspätung für unseren Flug angekündigt sind, die Maschine sei „schon gestern in Düsseldorf nicht weg gekommen“, so die vertrauensbildende Auskunft am Counter der Fluggesellschaft.

Es ist dem ortskundigen Kollegen Siepert zu verdanken, dass wir es doch noch knapp zur Vorspeise ins NAHM schaffen, dem ersten Thai Restaurant in Europa mit Michelin Stern. Vor der Tür seht bereits der rote Doppeldeckerbus der London Restaurant Festival Gourmet Odyssey. Während des Festivals können verschiedene kulinarische Touren gebucht werden, mit dem Bus geht es von Restaurant zu Restaurant, wir sind Gäste der Belgravia Gourmet Odyssey.

NAHM

Ohrenbetäubender Lärm im NAHM, unsere Reisegruppe ist bereits bester Laune, die Architektur mit Steinfußboden und Glaswänden unterstützt zudem die außergewöhnlich schrille Akustik, die so berühmt ist wie das Restaurant selbst – man versteht kaum sein eigenes Wort. Brüllend begrüßen mich meine Sitznachbarn, ich hätte Glück, es schmecke fabelhaft, verraten mir Lillian und John ein älteres Ehepaar aus Essex. Der australische Küchenchef David Thompson serviert einen Teller mit Kanom Muang Gai Kem, einer Art Frühlingsrolle mit Hühnchen und atemberaubend vielen Chilifäden, dazu Latiang, eine kunstvoll in ein Netz aus Ei gewickelte Krabben-Hühnchen-Reisrolle und saftige Kanom Krog Gung, federleicht-fluffige Miniatur-Kokos-Reis-Puffer mit Garnelen in roter Currysauce.

Das macht alles großen Sinn, ist sicher komponiert und auch die Weinauswahl passt. Neben einem schwer buttrigen Chardonnay aus Australien, wird eine hochkonzentrierte, vielschichtige Spätlese vom Mosel-Weingut Dr. Loosen gereicht. Es sei eine verrückte Zeitreise, erklärt mir Lillian, genau so hätten die Weine geschmeckt, die sie in den Siebzigern immer getrunken hätten. Dann rät mir Lillian noch vom Kauf des neuen Jamie Oliver Kochbuches ab. Ein guter Junge, der Jamie, findet Lillian, aber seine 30 Minute Meals seien dann doch eine Mogelpackung! Ihre Tochter habe vergangene Woche ein Gericht daraus gekocht: „…it took her an hour!“ Lillian zieht beide Augenbrauen sehr weit nach oben.

THE SQUARE

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Milder Herbstwind weht durch die geöffneten Türen unseres Buses, es ist ein ungewöhnlich warmer Oktober Tag, gut gelaunt erreichen die ca. 40 Gäste der Tour das nächste Ziel, THE SQUARE. Seit 19 Jahren wirkt und waltet hier Eigentümer und Chefkoch Philip Howard gemeinsam mit seinem Küchenchef Robert Weston, beständig zu den Besten in Großbritannien zählend, zwei Michelin Sterne leuchten seit 1998 über dem Haus. Philip Howards Küche ist von den Jahreszeiten bestimmt, die saisonalen Produkte und ihre Qualität prägen Karte und Kreativität des Meisterkochs, der Spontaneität zu seinen Haupttugenden zählt.

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Insofern ist die spontane Menüänderung nicht wirklich überraschend und zu unserem Besten. Philip Howard tritt vor die Gäste und erklärt, der angekündigte Steinbutt fiele aus, er habe heute Heilbutt aus Schottland erstanden, in einer bislang ungekannten Qualität. Diese Worte aus dem Munde des bekennenden Produkt-Junkies sind schon eine erwartungsfrohe Gänsehaut wert.

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Der Teller ist überraschend unprätentiös, ja beinahe schlicht. Handgerollte Mini-Penne-Nudeln und kurz geschwenkte Mischpilze in einer dunkel-aromatischen Sauce, darauf ein goldene Stück gebratener Heilbutt mit schneeweisem Fleisch, getoppt mit einer schaumigen Buttersauce. Es ist perfekt.

WILD HONEY

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Das WILD HONEY Restaurant in Soho ist letzte Station der Gourmet Odyssey, wir nehmen an der Bar Platz, die Herbstsonne funkelt durch die hohen Fenster und findet sich auch im Glas, ein einfacher, aber köstlicher, goldgelbe Süßwein wird vom aufmerksamen Personal beständig nachgefüllt, der perfect match zum süßen Abschluss: Pear Clafouti, ein weicher, fluffiger Birnenkuchen mit leicht karamelisierter Kruste und gesalzenem Caramel-Eis.

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Wir seufzen leise Seligkeit und nicken dem Kellner mit der Süßwein-Flasche aufmunternd zu.

Links:

NAHM at The Halkin Hotel

THE SQUARE

WILD HONEY

London Restaurant Festival

Visit London

Und hier findet sich:

London (2): The Waldorf, Bohemian Lounge Bar, Tây Đô Restaurant

London (3): Streetfood

London (4): Menü im Blue Print Café mit Jeremy Lee und Michael Smith

London (5): Báhn Mì & Phở im City Càphê

London (6): Ein Abend in Fergus Hendersons ST. John Bread & Wine

London (7): Dine with Dos Hermanos at Tayyabs & verliebt im Lexington

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