Valencia (3): das junge Valencia – ein Abend im 2estationes

Valencia ist eine Food-Stadt im Aufwind, nach den spanischen Krisenjahren eröffnen hier beständig neue, junge und innovative Restaurants und Gastro-Konzepte, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, die schöne Stadt am Meer ist auch (noch) weniger touristisch als beispielsweise Barcelona – und immer mehr deutsche Flughäfen bieten Direktverbindungen an. Es gibt viel zu entdecken!

Eine solche Entdeckung ist das 2estationes, zentral gelegen im bunten Viertel Ruzafa, ein lässiger Laden, mit jungem Team, aus den Boxen klingt spanischer Indie-Pop, die Küche ist offen, rumpelig-gemütlich ist es im kleinen Restaurant.

Gleich vorweg: was dann da auf den Tisch kam, hat unsere kleine Reisegruppe begeistert. Der junge Küchenchef Alberto Alonso stammt aus Burgos, der Hauptstadt der autonomen Region Kastilien-La Mancha, einer zentralen, bergigen Hochebene, nördlich von Madrid gelegen – im 2estationes verbindet Alonso, die Bergküche seiner Heimat mit der mediterranen Leichtigkeit valencianischer Küche – superspannend!

Los geht es mit Brandade Bacalhau, die traditionelle Auflaufspeise hier als cremiges Süppchen mit schwarzem Trüffel, süß-sauren Orangenfilet-Stückchen und Röstbrotwürfeln.

Im zweiten Gang eine erfrischende Kombination aus roher und gekochter Roter Bete, mit zarten Miesmuscheln, salzigem Queller und saftigem Eiskrautsalat – Ziegenfrischkäse und gesalzener Sardinenrogen bilden den genialen Gegenpol zum säuerlich-erfrischenden Salat.

Eine Ceviche von lediglich gesalzenen, frischen Boquerones mit Süßkartoffelcreme, Koriander-Kresse, Granatapfelkernen und geröstetem Mais mit Leche de Tigre, ist genial abgestimmt, fresh, leichte Schärfe, doll!

Noch ein Traditionsgericht, neu gedacht: die kalte spanische Mandelsuppe Ajoblanco bereitet Alberto Alonso mit Erdnüssen zu , ein neues duftiges Geschmacksbild, eher ein Schaum unter dem sich würzig gebratene Buchen-Pilze verstecken, getoppt mit geröstetem Knoblauch, Kerbel und gerösteten Pinienkernen – unter den Pinienbäumen findet man in Spanien die Pilze!

Ein schwächerer Gang ist der frittierte Pulpo und Calamar, in einer Art Tempurateig mit einer weißen Mandelcreme die stark marzipanige Noten mitbringt, das muss man mögen, die Mojo-Rojo dazu bringt die Sache aber verschärft wieder zusammen.

Geröstete Artischocken-Viertel unter einer cremigen Sauce mit subtilen Chorizo-Noten, genial! Dazu Borlotti Bohnen und gezupftes, hausgemachtes und darum saftig-langfasseriges Cornedbeef – ein winterlicher Berg-Eintopf als eleganter Gang. Wir freuen uns, hier zu sein. Und wir sind die einzigen Gäste an diesem Abend – absolut rätselhaft! Es könnte am aussergewöhnlichen Wetter liegen, mit Regen und Sturm, oder dem morgen beginnenden Fallas-Stadtfest – wir hoffen mal das hier sonst mehr los ist, es wäre verdient, wenn hier jeden Abend ausverkauft wäre.

Dafür spricht auch dieser sensationelle Teller, den ich klauen werde! Ein dickes Stück perfekt gegarter Merluza, Seehecht, auf Frühlingslauch und einem unfassbar gutem Sud aus eingelegten grünen Pfefferschoten, deren salziger Lake, frischer grüner Paprika und bestem Olivenöl – Bäm!

Noch so eine Überraschung, wir erwarten Rind und bekommen: alte Kuh! Weniger alt, als das Fleisch der baskischen Txogitxu-Rinder, die bis zu 16 Jahre alt werden dürfen – diese Rinder stammen aus Alonsos Heimat Burgos, und werden auf 1400 Metern Höhe gehalten, sie werden 6-8 Jahre alt. Das Fleisch ist von zartem Schmelz und Biss, die Alterstöne subtiler, das ist wahnsinnig gutes Fleisch! Dazu gibt es Röstkartoffeln und kanarische Mojo Rojo, ein Korinader-Öl, meine Güte, ich freu mich.

Auch das Dessert ist gut durchdacht und mit Kick: frisch aufgeschnittene Mango mit Orangen und Limetten-Sorbet – Raketenstart durch die ganz unten versteckte Ingwer-Marmelade.

Es folgt „Armer Ritter“ auf valencianische Art, mit einer Schnitte hellem warmem Milchbrötchen, das saftig-sabschig fast davon schwimmt, getoppt von einer knusprig karamelisierten-Zuckerschicht und einem cremigen Bananen-Eis, das wiederum mit Minze-Frischkäse und Curry-Creme zur Attraktion wird!

Und jetzt raten Sie mal, was wir für die zehn Gänge bezahlt haben?

48 Euro.
Und 20 Euro für die Weinbegleitung.

Für mich definitiv ein Restaurant der Rubrik lohnt jede Anreise, und ich lehne mich mal garnicht so weit aus dem Fenster: von Alberto Alonso werden wir noch hören.

Homepage: www.2estaciones.com

Weiterlesen:

Valencia Culinary Meeting (1): ein Menü beim Puristen Bernd Knöller, Restaurant Riff

Valencia (2): Dies ist kein Rezept – von der Kunst, eine echte Paella zu bereiten

Valencia (3): das junge Valencia – ein Abend im 2estationes

Valencia (4): Die Austern, der Aal, die Reisfelder und das Meer (und eine Band Names Limbotheque)

Valencia (5): Avantgarde, Baby! Ein Menü mit Albert Adrià, Luís Valls Rozalén – und ein paar echt guten Zaubertricks.

Offenlegung: ich danke dem Tourismboard Visit Valencia (VLC) für die Einladung und Organisation der Reise, die herzliche Gastfreundschaft vor Ort.

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