Frische Suppe zum Neujahrstag

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Seit ein paar Jahren habe ich wieder Großeltern. Die Großeltern der Liebsten haben mich adoptiert quasi, es sind tolle Großeltern, sie sehen aus wie Großeltern und sie schenken mir, ohne zu fragen, Liebe und Anerkennung. Und Geld und warme Socken. Ich darf „Oma“ und „Opa“ sagen, dass haben die Beiden mir angeboten, als wir uns besser kannten, gleich mit dem „Du“. Es ist nicht das gleiche, Leihgroßeltern, aber es ist schön wieder mit älteren Leuten zu sprechen. Und zu fragen. Diesmal rechtzeitig. Opa erzählt sehr schön, er erinnert sich an so vieles, und Oma verbessert ihn und kocht. Richtig ordentlich norddeutsche Küche, das kenne ich gar nicht, als alter Schwabe. Eine wunderbare Winterküche, wohlig wärmend, Seelenessen.

Ich freue mich schon den ganzen Winter auf den Jahreswechsel und den ersten kulinarische Höhepunkt des neuen Jahres. Eine lebensverlängernde Tradition meiner norddeutschen Familie ist die “Frische Suppe”. Am Neujahrstag läd Großmutter die gesamte Familie zur “frischen Suppe” ein. Um Zwölf Uhr. Man kommt besser nicht zu spät. Aus Markknochen, Rinderbeinscheiben und hoher Rippe kocht sie bereits Silvester eine kräftige, duftende Brühe. Am Neujahrsmorgen macht sie dann Mehlklüten (Mehlklöße), knetet würziges Hackfleisch, rollt es zu kleinen Bällchen, schnippelt Wintergemüse klein, kocht separat goldgelbe Kartoffeln und Reis, schneidet das butterzarte Fleisch in Stücke. Punkt Zwölf kommen die frischen Suppe in dampfenden Töpfen auf den Tisch, die Scheiben des kleinen Häuschens beschlagen, alle sitzen um den großen Tisch im Esszimmer und hauen ordentlich rein.

Reihum muss jeder erzählen, wie er die Silvesternacht erlebt oder überlebt hat, die jungen Leute sind schrecklich verkatert und es wird viel gelacht, Die Suppe wärmt ordentlich, schon nach wenigen Löffeln gerät man stark ins schwitzen, der Körper jubiliert, Lebensgeister steigen aus dem Dampf empor, Fettaugen zwinkern einem aufmunternd zu, es schmeckt fantastisch! Im Fernsehen läuft das Neujahrskonzert in brüllender Lautstärke, auch das ist Tradition. Dann wird Pudding aufgetragen und grüne Götterspeise mit cremiger Vanillesauce, dazu Pfirsiche aus der Dose. Opa kocht Kaffee, nicht ohne vorher jeden Gast darüber in Kenntnis zu setzen, dass es sich hierbei um “echten Bohnenkaffee!” handelt. Opa geht nicht allzu verschwenderisch mit dem Kaffeepulver um und so herrscht schnell Verwirrung: „also in dieser Kanne ist Tee!“ – „ich hab gar keinen Tee gemacht!“

Oma scheucht alle in die „gemütliche Ecke“, Berliner Krapfen werden aufgetischt und Schmalznüsse, ein herrlich lockeres Schmalzgebäck. Ein großer Friede überfällt mich und tiefe Dankbarkeit, für diesen Tag, diese Familie, diese Großeltern. Das neue Jahr kann kommen.

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