Cocktailbuch “TrendDrinks” – Interview mit Food-Fotograf Oliver Schwarzwald


Yuzu Watermelon

TrendDrinks heißt das Buch von Arnd Henning Heißen (29), Barmanager des The Curtain Club im Ritz-Carlton Berlin und langjähriger Barchef der Berliner Shochu Bar. Was im Titel knapp als Trend bezeichnet wird, beschäftigt sich tatsächlich auf hohem Niveau mit einer der wichtigsten Strömungen junger Barkultur: immer „kulinarischer“ werden die Cocktailkreationen, mit einer neuen Selbstverständlichkeit arbeiten Mixologen mit Kräutern und Gewürzen, öffnen ihren Gästen neue Geschmacks- und Aromenwelten durch den Einsatz von Tee-Reduktionen, und Spirituosen-Infusionen, der Verwendung hausgemachter Sirups und Essenzen und der Adaption von Küchentechniken bei der Kreation neuer Cocktails. Neben der spannenden Rückbesinnung auf alte, historische Drinks und Originalrezepturen, findet derzeit auch eine hochinteressante Weiterentwicklung der Cocktailkultur statt, die in diesem Buch festgehalten ist.

Der überraschend kleinformatige Band hat es in sich: insbesondere die Kräutercocktails und Tea Infused Londrinks haben mich begeistert und der Anhang mit Rezepten zur Herstellung eigener Liköre, Sirups und Bitters ist klein aber fein und sehr inspirierend. Das Angebot wird durch ein Glossar erweitert, Bezugsquellen werden genannt.

Die fotografische Umsetzung der neuen Cocktailwelt oblag dem mehrfach preisgekrönten Food- und Stillife-Fotografen Oliver Schwarzwald (38), der bekannt ist für seine reduziert minimalistisch-aufwendigen Inszenierungen (u.a. für die Magazine der Süddeutschen Zeitung und der ZEIT). Oliver und ich kennen uns schon lange und ich habe ihn zur Arbeit am TrendDrinks Buch befragt:

Stevan Paul: Wie sind Arnd Heißen und Du zusammengekommen und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit für das Buch?

Oliver Schwarzwald: Ich habe Arnd bei einem Shooting für die BRIGITTE kennen gelernt. Es waren Bilder zu seinem Thema Fragrance Cocktails. Wir zeigten dort einen Drink und das passende Parfum. Er ist damals zu mir ins Studio gekommen um mir die Drinks genau zu erläutern. Wir haben uns gleich gut verstanden. Ich möchte mal sagen wir leben im ähnlichen Komos aus Geschichten Eindrücken und Emotionen. Als mich dann Frau Lottermoser von der Edition Styria anrief und fragte, ob ich an einem Buchprojekt mit Arnd interessiert wäre, habe ich gleich zu gesagt. Das musste spannend werden.


Maharajah Mojito

SP: Wie habt ihr die Bildwelt für das Buch erarbeitet, was waren die Intentionen und Ideen die zu dieser außergewöhnlichen, oft auch humorvollem Bildübersetzung führten.

OS: Arnd hat zu jedem seiner Drinks genaue Ideen, Inspirationen und Bilder im Kopf. Das Rohscript war sehr ausführlich und lieferte mir unglaublich viel Inspirationen. Das wollte ich unbedingt einfangen und verdichten. Denn für das Buch mussten die Texte gekürzt werden. Außerdem wollte mich auch von der klassischen Cocktailfotografie lösen. Es sollten Bilder entstehen die den Betrachter neugierig auf den Text machen und somit dann auch auf den Cocktail und das Geschmackserlebnis. Und da ich mit Arnd in dieser Beziehung eine Sprache spreche war es für mich eine Freude meinen Ideen freienlauf zu lassen.

SP: Es gehört zu den großen Herausforderungen von Foodfotografen und Foodstylisten Cocktails zu fotografieren- Cocktails sind vergänglicher als Eiskrem, es gibt nur einen kurzen idealen Moment in dem bspw. Betauung, Schmelzgrad des Eises und aufsteigende Kohlensäureblässchen perfekte Frische vermitteln. Was waren Eure Schwierigkeiten und Herausforderungen bei der Arbeit und wer hat die Drinks im Studio zubereitet.

OS: Die Schwierigkeiten lagen im Einbinden der Gläser in die Requisite, die Bildidee. Da musste schon hier und da geklebt und getrickst werden. Und es hielt alles nur für den Moment. Bis das Glas beim Poet & Alchemist richtig hing, hat es schon etwas gedauert. Und damit habe ich dem Foodstylisten Jürgen Zimmerstädt keine Freude gemacht.


Poet & Alchemist

Das Glas in diesem Zustand zu befüllen war kompliziert. Die Betauung und der Schmelzgrad war bei diesem Projekt nicht wirklich das Problem, da wir die Drinks „für uns“ gemacht haben und nicht für einen Kunden der noch hier und da eine Tropfen extra sehen möchte. Insofern war es hier etwas entspannter, als bei klassischen Werbejobs. Wir haben mit einer Mischung aus Kunst- und Echt-Eis gearbeitet und so eine natürliche Betauung erreichen können, die meiner Meinung nach immer am besten aussieht.

SP Welches ist dein Lieblings-Drink aus dem Buch und warum? Und wo gehst Du in Hamburg Cocktails trinken?

Naja viele Drinks in dem Buch sind wirklich großartig. Da fällt es echt schwer. Aber wenn ich einen wählen müsste, dann den Fresh & Fizzy. Der Tea infused Gin ist einfach toll. Danach trinkt man keinen Gin Tonic mehr. Und das sage ich als echter Gin Tonic Fan. In Hamburg gehe ich gerne in Bars mit Live Pianomusik, das gehört für mich einfach zu einem Cocktail und einer Bar. Gerne auch das klassische Ambiente einer Hotelbar. Da bieten sich in Hamburg die Bars an wie im Maritim oder im Atlantik. Aber als Vater zweier Kinder sind die Wochenenden oft verplant. Da bleibt neben der Arbeit wenig Zeit, so versuche ich, den Cocktails wenigstens im Fotostudio näher zukommen(lacht).

SP: Danke für Deine Zeit, Oliver!


TrendDrinks von Arnd Heißen

mit Fotos von Oliver Schwarzwald
ISBN: 978-3-99011-037-9
Format: 14,0 x 19,5 cm
Seiten: 128
Hardcover

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