Mixen mit Whisky? – Eine heiße Angelegenheit!

Mixen mit Whisky? Die Würde des Whiskys ist unantastbar, rufen die Puristen empört. Ja, Herrschaften, ist klar, aber haben Sie mal aus dem Fenster gesehen? Herbststürme und Nieselregen. Dagegen hilft ein kleines Feuer von innen, und Whisky eignet sich hervorragend als Edel-Brennstoff für heiße Drinks. Wie ein Meisterkoch ist auch der Barmann immer daran interessiert, aus besten Produkten ein kulinarisch stimmiges Gesamtkunstwerk zu kreieren. Die Industrie hat es vorgemacht: ein mit Rahm vermählter Whisky ist kein Minderheiten-Thema für ältere Damen aus dem Harmonie-Milieu, sondern wird überwiegend von jungen, modernen Genießern getrunken. Mir ist dieser Mix aber noch zu schlicht.

Für die ultimative Herbsterwärmung empfehle ich, zunächst das Grundprodukt zu erforschen. Die unverschnittenen Single Malt-Whiskys sind tatsächlich zu schade für die Cocktail-Küche, hervorragend eignet sich ein preisgünstiger, qualitativ hochwertiger Scotch Blend aus verschiedenen Whiskysorten und Rohstoffen (z.B. Malt und Grain). Zu alt sollte der Whisky zum Mixen auch nicht sein, die 12-30 Jahre lang in Eichenfässern gereiften Granaten sind am besten pur zu genießen. Ein drei Jahre alter Blend ist optimal: geschmeidig rund, mit komplexem Duft von Honig und Gewürzen, Schokolade und Vanille. Eine verführerische Basis.

Beginnen wir mit einem heißen Klassiker, dem Irish Coffee. Den erfand 1942 Joe Sheridan, Chefkoch des irischen Flughafens Foynes. Er servierte ankommenden Passagieren Kaffee mit irischem Whiskey. Auf die Frage eines irritierten amerikanischen Gastes, ob das brasilianischer Kaffee sei, antwortete Sheridan: „No, that’s Irish Coffee!“. Wenn keine Iren in der Nähe sind, darf man diesen ausnahmsweise auch mit einem Scotch Blend zubereiten. 2 Teelöffel Zucker in ein hitzebeständiges (!) Glas geben, 4 cl erwärmten Whisky dazugießen und anzünden. Die Flamme mit frisch gebrühtem Kaffee löschen und das Ganze mit leicht angeschlagener Sahne toppen. Schmeckt wunderbar und ist von lang anhaltender Brenndauer.

Fortgeschrittenen empfehle ich wärmstens meine Eigenkreation „Candy-Cream“, eine Art cremig-flüssiges Karamell-Bonbon mit weichem Whisky-Aroma: 4cl Whisky erwärmen, anzünden, Flamme mit einem starken Espresso löschen und 200 ml Karamell-Eis darin schmelzen. Heiß mit Milchschaumhaube oder cremiger Schlagsahne in Shotgläsern servieren. Funktioniert übrigens auch mit Vanille- oder Schokoladeneis. Und die Schokoladenvariante hebt richtig ab, wenn Sie den Whisky mit einer Messerspitze fein geriebenem, frischem Ingwer abbrennen. Oder pürieren Sie doch mal zusätzlich 10 g Rohmarzipan in den Drink. Oder ein paar gebrannte Mandeln. Oder Schokostreusel. Würzen Sie doch mal mit einer Prise Zimt. Oder zur Vorweihnachtszeit mit einem Hauch Lebkuchengewürz.

Da werden sogar Puristen weich.

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