Cocktails – Kleines Affentheater auf dem Hahnenschwanz


Auch auf dem Heimweg: alles so schön bunt hier

Junggesellenabschiede sind eine an sich schon zu verachtende Veranstaltung. Anständige Männer, allesamt im heiratsfähigen Alter, machen den zukünftigen Bräutigam und sich selbst zum Affen, basierend auf zünftigem Alkoholmissbrauch und leider immer in der Öffentlichkeit. Den Auftakt zu diesem entbehrlichen Ritual aber ausgerechnet in einer Cocktailbar zu begehen, ist eine ganz schlechte Idee. Cocktails, die gefährlichen Mischungen diverser Spirituosen in Kombination mit weiteren Spirituosen und allerlei zuckerhaltigem Gedöns sind Feinde des männlichen Entdeckergeistes. Cocktailkarten werden in Männerhänden gerne zu Gebrauchsanweisungen für schnelle Abstürze. Das habe ich den Jungs auch gesagt. Aber auf mich hört ja keiner.

Da stehen wir also, fünf Freunde an der Bar, bereit für ein ordentliches Affentheater. In ohrenbetäubender Lautstärke dröhnt stumpfer Fahrstuhl-House aus den Boxen, die Bar bebt. „Fünf Zombies!“, brüllt Niels den Barmann an und er meint nicht uns, „ich heirate nämlich übermorgen.“ Der Barmann zuckt mitleidig die Schultern, er kennt den Kummer seiner Gäste und macht sich ans Werk. In einem Zombie befinden sich drei-fünf Sorten Rum, über die der Barkeeper gemeinerweise ein fruchtiges Deckmäntelchen aus Obstsäften gießt. Geschmeidig und samten kommt der Cocktail daher, und nur sein Name bleibt Warnung für jene, die noch lesen wollen.

„Jetzt mal was Frisches!“, erklärt Sven und balanciert ein Tablett French 75 an unseren Tisch. In eisbeschlagenen Champagnergläsern haben sich Champagner, Gin und Zitronensaft mit einem Hauch Zuckersirup vermählt, eine Kreation der Deutschen Bar-Legende Charles Schumann. Sensationell! So gut schmeckt der Cocktail, dass er mich sogar mit der lautstarken Musikbelästigung befriedet, ich erwische mein linkes Bein beim rhythmischen Wippen. Am Nebentisch kichern drei junge Mädchen in Drinks, die den Namen Cocktail wahrlich verdienen, bunt wie Hahnenschwänze, filigran aufgegossene, verschiedenfarbige Spirituosen und Säfte, geschmacklich das Grauen.

Die Cocktail-Kultur entstand einst aus dem Wunsch, ruppige, hausgebrannte Alkoholika durch Beigabe von Säften oder Soda trinkbar zu machen, einige aktuelle Cocktails hingegen versauen leider die feinsten Spirituosen. Da lobe ich mir Freund Kai; als er an der Reihe ist, verwöhnt er uns mit einem Klassiker, Caipirinha, da weiß man, was man hat. Gute Laune zum Beispiel. Wir werden lauter. Die Musik ist klasse, finde ich. Wir machen uns schon ein bisschen zum Affen, unsere Albernheit schwappt immer öfter rüber zum Nebentisch, die Girls kichern begeistert.

Ich bin dran und fasse einen einsamen Beschluss: „Fünf Summer Cooler“, flüstere ich dem Barkeeper verschwörerisch zu. Als ich zum Tisch zurückkehre, ist dieser verwaist, die Jungs sind umgezogen, sitzen am Nebentisch und präsentieren den jungen Frauen eine beeindruckend körperbetonte Darstellung des Cocktail-Begriffs: Brust raus, werbend sträubt sich das Gefieder, es wird emsig gegockelt. Ich stelle die Drinks ab. Ist mir ein bisschen peinlich. Das halbe Kilo Obstsalat an den Glasrändern. Ahnt ja keiner. Die Jungs lachen, aber es schmeckt ihnen: „Hörma, der knallt ja ordentlich, wasn da drin?“ Kein Alkohol jedenfalls, aber das verschweige ich den Jungs. Wir müssen nämlich leider gleich noch weiter. Es droht der traditionelle Jungessellen-Verabschiedungsbesuch in einer Table Dance Bar. Da braucht man einen klaren Blick.

Vielleicht bleiben wir aber auch noch. Jan bestellt gerade acht Tequila Sunrise.
Die Jungs werden mir in jedem Fall dankbar sein.

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