Durch das beständige Rauschen der (teils durchaus inspirierenden!) Mini-Rezept-Reels und Koch-Kurzfilm-Snippets auf Social Media kam ich auf die Idee für eine neue Serie auf NutriCulinary: Nimm Dir Zeit!
Warum nicht den anderen Weg gehen und sich mal wieder Zeit für Rezepte nehmen? Rezepte auch mal von Grund auf erklären. Schritt für Schritt und in Bildern: Was mache ich? Wie sieht das dann aus? Und warum mache ich das?
Nimm Dir Zeit - koch‘s besser!
Hier findet ihr dazu bereits das wahrscheinlich beste Gulasch der Welt und das Rezept für eine perfekte Ente.
Und heute gibt es Hähnchen! Aus dem Ofen, mit eigener Brühe und Bratfett, dem ganzen Geschmack also. Los geht es:

Das Geheimnis hinter jedem gelungenen Rezept mit Huhn ist ein Qualitätshuhn. Das beekommst Du beim Geflügelhändler oder dem bäuerlichen Schlachter, im Supermarkz überzeugen die Qualitäten Label Rouge und Kikok.
Du brauchst:
- 1 gutes Huhn (ca. 1,5-2 kg)
- Salz
- 1 EL Sojasauce
- 2 Zwiebeln
- 1 Knoblauchzehe
- je 2 Zweige Rosmarin und Thyminan
- 150 ml trockenen Weißwein
- 1 Glas Weiße Bohnen (ca. 400 g EW)
- 8 kleine Tomaten
- ein paar Basilikumblättchen
Beilage-Tipp: Salz- oder Pellkartoffeln
Ganz schön wenige Zutaten!
Den tiefen Geschmack, die goldene Brühe und das Bratfett schenkt uns das Huhn. So geht das:
Zerlegen und frühes Salzen
Das Hähnchen habe ich zerlegt und in insgesamt zehn Teile geschnitten, die ich bereits jetzt salze! Frühes Salzen gibt ein mehr an Geschmack und Zartheit! Wenn du noch kein Huhn zerlegt hast, zeige ich dir hier Step by Step, wie das gelingt!
Die Sache mit dem Fett
Jetzt kommt auch schon die erste Besonderheit: In einen kalten Topf gebe ich ein paar Fettstücke und Fettlappen hinein, schalte ein und lasse das Fett unter Rühren im Topf aus. In diesem Fett röste ich jetzt auch alle anderen Karkassenstücke goldbraun an.

Dann gieße ich das Fett durch ein Sieb ab – es sind ca. 3 Esslöffel duftendes, goldgelbes Fett, voller Geschmack! Das nutzen wir und braten später die Hähnchenteile darin an!
Die Brühe ansetzen
Die Brühe setze ich nach einer Idee von Heiko Antoniewicz an – dafür brauche ich kein Suppengemüse, sondern lediglich 1 EL Sojasauce und 1 Liter Wasser. Beides gebe ich kalt zu den angerösteten Karkassen und lasse das Ganze langsam hochkochen. Den entstehenden grauen Schaum löffle ich ab und lasse alles leise siedend 1 Stunde offen köcheln.
Ich koche diese Hühnerbrühe schon eine Weile so und das Resultat ist eine unverfälscht fleischige, tiefe und aromatische Brühe – die Sojassauce unterstützt und rundet dabei subtil.

Es entstehen ca. 400 ml einer goldfunkelnden Hühnerbrühe von großer Kraft und Konzentration – im Kühlschrank geliert sie sogar. Wir machen aber direkt weiter und schmecken die Brühe mit Salz ab.
Kommt zusammen – nur die Hühnerteile sind getrennt!
Ich brate jetzt alle Hühnerteile im wertvollen Hühnerfett rundherum goldbraun an, danach werden sie aber aufgeteilt und getrennt weiterverarbeitet! Die Keulenteile brauchen einfach ein bisschen Vorlauf beim Garen. In vielen Rezepten kommen alle Teile gemeinsam in den Ofen – im Ergebnis sind die Bruststücke dann hart und trocken.
Die halbierten Zwiebeln und den Knoblauch pelle ich und schneide alles in feine Spalten. Zwiebeln und Knoblauch mit Salz würzen und mit den Kräutern ins Bratfett geben. Unter Rühren anschwitzen, bis die Zwiebeln hellgelb sind.

Mit trockenem Weißwein ablöschen, einmal aufkochen und eine Minute köcheln lassen. Dann mit der guten Brühe auffüllen. Die Tomaten halbieren und salzen, die Bohnen abgießen. Alles mit den Keulenteilen und den Hähnchenflügeln zugeben. Nur die Brustteile bleiben immer noch draußen!

Im heißen Ofen bei 180 Grad 30 Minuten auf der 2. Schiene von unten garen. Dann herausnehmen, die Brustteile zugeben und weitere 15 Minuten garen. Anschließend den Ofen ausschalten, die Tür zur Hälfte öffnen und das Gericht noch zehn Minuten ruhen lassen.

Weiterkochen, besser kochen:
Noch mehr Klassiker, Bassics und neue Rezepte, dazu vertiefende Wissentexte zur Küchenpraxis findest Du in meinem vielfach ausgezeichneten Standardwerk zur Küche.
– viel Freude beim Schmökern!





