Ein Rind ist keine Rockband – der “BEEF! Live! Butcher, Beer & BBQ”-Abend in Hamburg

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Ein Rind ist keine Rockband. Das dürfte den “BEEF! Live! Butcher, Beer & BBQ“-Abend in der Großen Freiheit auf den Punkt bringen, trotz hochkarätig besetzter Expertenrunde sprang der Funke in der, gefühlt ausverkauften, Großen Freiheit nicht über. Craftbeer war Minuten nach Hallenöffnung aus, danach gabs lahmes TV-Bier zur Live-Fleischzerlegung auf der Bühne, mit dem wunderbaren Ludwig “Lucki” Maurer und Sternekoch Wolfgang Müller, einem ausgewiesenen Nose-to-tail-Experten. Die Beiden mühten sich redlich, den geschätzt zweitausend Männern im Publikum nahe zu bringen, was für eine schweißtreibende Arbeit echtes Metzgershandwerk ist.

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Leider gesellten sich bald auch eine fröhliche Moderatorin, zahlreiche Gäste und der zotige Witz auf der Bühne dazu, es wurden Hoden geworfen und Anzüglichkeiten, der Abend begann sich zu ziehen. Bereits in der Pause leerte sich der Saal deutlich, daran konnten auch die beharrlich rangekarrten Gäste auf der Bühne nichts ändern, Micky Beisenherz beispielsweise und auch der Gastgeber BEEF!-Chefredakteur Jan Spielhagen schienen sich bisweilen gemeinsam mit dem Publikum zu fragen, was sie hier eigentlich machen (sollen), während die Fleischexperten bei der Arbeit schwitzten.

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Deutsche See-Chefkoch Sebastian Bruns zerlegte dann in einem Kraftakt einen gewaltigen Thunfisch den er anschließend gemeinsam mit Moritz „Moe“ Crone-Rawe (Rolling Taste) mit Teriyaki-Sauce bestrich und mit Asphalt-Flammenwerfern abflämmte – derweil die Moderatorin ernsthaft nach „Hausfrauen“ im Publikum fragte. Die Frage passte dann zeitgeistig sehr gut zur engagierten Boppin’B – Band, denen es mit 50er Jahre-Rock ’n Roll und swingendem Rockabilly gelang, wenigstens etwas Leben und Party in die Halle zu bringen.

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Mit dem geschätzten Kollegen Christoph Brand erklomm später ein weiterer Experte die Bühne, es wurde live gewurstet, Burger gebastelt. Zum Lärmpegel im Saal gesellte sich nun auch Magenknurren, es bildeten sich lange Schlangen an den Essensausgaben. Auch hier schnell Ausverkauf und die Erkenntnis, dass all das hier letztendlich leider eine Nummer zu groß gedacht war, für einen (eventuell auch lehrreichen) Genuss-Abend. Und das obwohl die großartig besetzte Expertenrunde von Köchen auf der Bühne wirklich ihr Bestes gab.

Die Intention war klar, Fleisch ist ein spannendes Thema und mit dem Abend wollte man sicher an den Erfolg von Live-Kochshows anknüpfen. Diese Shows leben aber allermeist von nur einer Persönlichkeit auf der Bühne, auf die sich alle(s) konzentriert, vor allem aber gelingen diese Abende mit einer ausgefeilten, unterhaltsamen Dramaturgie, mit pointierten Spannungsbögen. “Alle Mann rauf auf die Bühne und dann schaun wir mal”, das hat leider nicht wirklich gut funktioniert. Und wer mal eine geführte Fleischzerlegung erlebt hat, der ahnt, dass das via Großbildleinwand die Details, die Nähe, das Unmittelbare, verloren gehen müssen.

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Gegen Ende noch ein weiterer Gast, mir klappte die Kinnlade runter: Das Bo im Haus! Dieser Mann hebt normalerweise den kleinen Finger und der Saal dreht durch. Doch auf sein „Hallo Hamburg!“ gab es an diesem Abend nur unbestimmtes Gegrummel – das Publikum war müde gespielt und hungrig und wer auf dicke Bässse gehofft hatte, wurde enttäuscht, die Hamburger Hip Hop-Legende war als weiterer „Talk“-Gast gebucht. Die Bühne gegen Ende also so richtig voll, der Saal mittlerweile luftig. Schlusspointe? Direkt nach der Veranstaltung fanden sich unterzuckerte Heerscharen im nächsten erreichbaren Imbiss ein. Der BEEF! Live! Butcher, Beer & BBQ-Abend endete für viele Besucher: bei Hesburger.

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