Guide Michelin 2017 – die Gala & ein persönlicher Blick auf die neuen Sterne

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Rambazamba, gestern Abend bei der festlichen Gala anlässlich der Vergabe der Michelin-Sterne für 2017, in der Mercedes Benz Niederlassung Berlin. Die Liste der neuen Sterneträger war wenige Stunden vor dem Event von einem Gastromagazin aus Österreich vorab online veröffentlicht worden, was überwiegend für Ärger und Unverständnis sorgte, zumindest aber dem Abend, für die geladenen Gäste und Journalisten, deutlich die Spannungskurve nahm. Der „Fehler“ liegt im System, der Guide Michelin war bereits an den Buchhandel ausgeliefert worden, heute ist Erstverkaufstag.

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Worum genau es beim Guide Michelin geht, erklärte der Kollege Julien Walther vom trois etoiles-Blog auf den Punkt in diesem erhellenden Beitrag! Auch die Listen sind mittlerweile überall veröffentlicht, der Guide Michelin 2017 im Buchhandel erhältlich – bleibt mir, ganz persönlich vom Event zu berichten, verbunden auch mit der Erinnerungen, an die Zeit, da ich selbst noch Teil einer Küchenmannschaft war, die jeden Winter auf den Anruf des Guide Michelin warteten. Mehr war nämlich nicht, außer das diffuse Gefühl im Laufe des Jahres mehrmals gestestet worden zu sein. Den ganzen Tester-Wahnsinn der damaligen Zeit habe ich hier in meiner Kurzgeschichte „Ich bekochte Wolfram Siebeck“ niedergeschrieben. Siebeck war zwar nie Tester der Equipe, der im Text beschriebene Testeralarm, betraf aber auch die Inspektoren des Guide Michelin.

Heute kocht eine neue Generation von Köchen viel selbstbewusster als wir damals, mehr für ihre Gäste und weniger für die Restauranttester, dennoch war bei der gestrigen Sterne-Gala spürbar, wie wichtig die höchste Auszeichnung für Köchinnen und Köche nach wie vor ist, welche Freude der erste und zweite Stern bedeuten kann, eine Bestätigung für die harte Arbeit ganzer Teams.

Und auch der Guide verändert sich, geht mit der Zeit. Neben den Sternen wurde in den vergangenen Jahren mehr und mehr der Bib Gourmand in den Vordergrund gerückt, eine Auszeichnung für bestes Preis-Leistungs-Verhältnis, eine sehr sinnvolle Auszeichnung für Restaurants die sich nicht am Sterne-Rennen beteiligen können oder wollen und dennoch eine hervorgarende Küche bieten, zu freundlichen Preisen und für den Alltag. In Hamburg gehört zum Beispiel das Trific zu den Restaurants die seit Jahren mit einem Bib ausgezeichnet sind, für eine lässige Wohlfühlküche.

Den Bib gabs gestern (unter anderen) neu für das vegan-vegetarische Restaurant Lucky Leek (Josita Hartano) in Berlin und die Berliner Cordobar (herzlichen Glückwunsch an den großartigen Lukas Mraz und die Gastronom Gerhard Retter und Willi Schlögl!)

Eine ganz persönliche Freude waren mir zwei neue Einsternen! In Hamburg leuchtet nun ein Stern über dem Petit Amour von Boris Kasprik und seinem engagierten Team. Herzlichen Glückwunsch, verdient!

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Ich schreibe über Boris Kasprik, seit er in Hamburg aufgetaucht ist, zunächst in Anstellung im Chez Fou und mehrfach seit seiner Selbstständigkeit, im Blog und in der Süddeutschen Zeitung. Ich freue mich riesig für Boris und den Umstand, dass nun noch mehr Menschen das Petit Amour entdecken werden!

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Zweiter Neusterner: das Sosein mit Felix Schneider und Team, für mich eine der visionärsten Küchen die wir derzeit in Deutschland haben und ich hatte das Glück sehr früh, kurz nach Eröffnung eigentlich, von Freund Florian Bailey, ins Sosein entführt worden zu sein, später schrieb ich dazu die Lobeshyme in der Süddeutschen Zeitung, und seitdem sind die Jungs noch besser geworden (hier der letzte Besuch) und der Stern so verdient wie überfällig, großartig, herzlichen Glückwunsch!

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Einen zweiten Stern gabs u.a. für das Rutz in Berlin und Marco Müller, mit dem ich das Vergnügen hatte, bereits in den frühen Neunziger Jahren im Berliner Interconti („Hugenotten“) zu kochen. Verdient auch der zweite Stern für Geisels Werneckhof in München und den wunderbaren Tohru Nakamura, in Mannheim freut sich Tristan Brandt und sein Team vom OpusV über den zweiten Stern.

Neue Dreisterner gab es in diesem Jahr keine und so sieht das in Deutschland 2017 aus: 10 Dreisterne-Restaurants, 39 Zweisterne-Restaurants und sagenhafte 243 Einsterne-Restaurants. Große Klasse, oder! An den Türen dieser Restaurants wird ab diesem Jahr wieder eine klassische Emaille-Plakette angebracht sein, da besinnt sich der Guide Michelin seiner Wurzeln, Schluss mit Aufklebern, die traditionelle Plaque wird der Sache einfach auch gerechter.

Nicht zuletzt: Berthold Bühler (Résidence) wurde als Ehrengast fürs Lebenswerk geehrt, versprach aber, trotz drohender Pensionierung, der Gastronomie treu zu bleiben: „Ohne geht nicht!“ Sonst noch gesichtet: Nelson Müller, Frank Oehler, Andreas Schweiger, Frank Rosin und Alexander Herrmann, es moderierte Florian König.

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Gefeiert wurde gestern Abend bei einem Viergang Menü und ausgesuchten Weinen für die 400 Gäste der Gala, eine kulinarische und logistische Meisterleistung von Sternekoch Markus Semmler und einem riesigen Team von KöchInnen und Servicemitarbeitern. Serviert wurden Hamachi, Sauergemüse und Tom Yam, geangelter Wolfsbarsch mit Rote Bete, Blumenkohl und Trüffel, Schwarzfederhuhn mit Schwarzwurzeln, wildem Brokkoli und Meerrettich und einem Flying Dessert Büffet.

Ich danke den Gastgebern Jürgen John (Direktor Michelin, Deutschland, Österreich, Schweiz) und Anish K. Taneja (Direktor Vertrieb Michelin, Deutschland, Österreich, Schweiz) und dem Internationalen Direktor des Guide Michelin Herrn Michael Ellis, für die Einladung.

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