Portugal-Wine & Dine mit Hendrik Thoma und den Kitchen Guerilla

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Noch immer klingt der Sommer in Portugal nach, dankenswerter Weise luden Mastersommelier und Weinexporteur Hendrik Thoma (Wein am Limit) und die Kitchen Guerilla zum Portugal-Weinabend mit Menü. Draußen Schneeregen und dunkle Novembernacht, drinnen muggeliche Gemütlichkeit im Kitchen Guerilla-Base-Camp, die lange Tafel liebevoll gedeckt und ein Gefühl, als wäre man auf einer privaten Einladung.

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Hendrik Thoma, der sich schon vor Jahren u.a. auf portugiesische Weine spezialisiert hat, führte gewohnt launig und erhellend durchs Programm und erwähnte gleich Eingangs, was die portugiesische Weinwelt (und ich finde auch Portugal selbst) so einmalig macht. Es sind nicht nur die 300 autochthonen Rebsorten, es ist auch die Geschichte Portugals, von der einstigen Weltmacht bis zur autoritären Diktatur „Estado Novo“ und jahrzehntelanger Isolation, die erst durch die Nelkenrevolution 1974 beendet wurde. In dieser Zeit entwickelte sich der portugiesische Weinbau, fern der Weltmärkte und Moden, eigenständig und kreativ und das haben sich die Portugiesen bis heute bewahrt. Portugal ist ein kleines, sehr eigenes Land, mit ganz eigener Identität und Traditionsbewusstsein, Werte, die das Land für Reisende attraktiv machen, die nach Ursprünglichkeit suchen, die Authentizität, das Unverfälschte, als Luxus begreifen.

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In Altona geht es los mit feinperligem Schaumwein, Soalheiro Alvarino, kühl und in großen Schlucken genossen, ein erfrischender Einstieg, Feierabend! Es gibt fein geschärfte Felsenaustern dazu und dann als ersten Gang einen Klassiker der portugiesischen Küche, Bacalhau-Kroketten, die hier meisterlich luftig gelangen, fluffige Kroketten, knusprig frittiert, auf Püree und Gemüse vom Kürbis, säuerlich-scharf gewürzt, große Klasse! Dazu zwei Weine aus Nordportugal, von Winzer Luis Cerdeira und wieder der Quinta de Solheiro, gleicher Jahrgang, gleiche Traube, verschiedene Lagen, zwei ganz unterschiedliche Weine – beide eint eine kühle Frische und sehr guter Trinkfluss, der 2015 Soalheiro Alvarinho von eher zitroniger Frische mit Aromen von Limette, der 2015 Luis Cerdeira dagegen crisp und mineralisch. Beide Weine empfiehlt Hendrik Thoma (zu Recht) als sichere Bank zum guten Preis-Leistungsverhältnis, 2015 sei zudem ein wirklich guter Jahrgang.

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Sardinen in Teigmantel werden serviert, mit gelungener Aioli, die Gläser werden dankenswerter weise nicht leer, müssen dann aber für den Auftritt von Filipa Pato (Vinhos Autênticos Sem Maquilhagen, authentische Weine ohne Make up) und ihrem fabelhaften 2015 FP Rotwein Bairrada D.O.C, leichtfüßig und frisch mit Charakter, da kann sich der deutsche Spätburgunder noch was abschauen. Dazu haben die Kitchenguerilla gezaubert: einen tiefen, komplexen Eintopf im Feijoada-Style, mit Chorizo und Venusmuscheln, mein Lieblingsgang des Abends, so schmeckt Portugal, grandios gekocht!

Dann werfen Koral und Onur die Plancha an, und Fleisch ist immer ein Highlight bei den Kitchen Guerilla, gegrilltes Lamm, hausgemachte, würzige Schweinswürste, butterzartes Filet Secreto und sous-vide gegarter Tafelspitz vom Kalb. Besser habe ich in diesem Jahr kein Fleisch gegessen. Hendrik serviert dazu ebenfalls eine seltene Bombe, den Buçacao Tinto Reservado. Davon gibt es pro Jahr nur Rund 12.000 Flaschen und die sind eigentlich den Gästen des Palace Hotel Bussacco vorbehalten, wir bekommen gleich zwei Jahrgänge (2013,2009) dieses Weltklasse-Weins zu verkosten, ein Genuss!

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Doch das ist noch nicht alles, es kommt noch ein mundvoll Wein ins Glas, Filipa Patos Espirito de Baga, ausgebaut wie ein Portwein, exzellent und voll, „Schaschlik-Wein“ sagt Hendrik liebevoll, gut gekühlt eine feine Bombe, mag ich sehr, ich mag eben auch Portwein.

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Dazu ein dekonstruiertes Pastéis de Nata, Knusperblättchen, Schokolade, Crème anglaise und Johannisbeere, doll! Und Zugabe! 2015 Post-Quercus, Baga, nochmal Filipa Pato, grandios, bin verliebt, die Party kann beginnen und an der Anlage stoppt irgendwer den Fado zugunsten fröhlicher Beats, und wo kommt eigentlich jetzt der Krack Riesling Brut plötzlich her und der Silvaner vom Weingut Mann, mann, mann, mann, was für ein Abend!

Lust auf noch mehr Portugal? Im Sommer haben wir das Land bereist, hier entlang bitte:

1. Lissabon

2. Alentejo

3. Algarve, Lagos, Arrifana

Offenlegung: den privaten Abend habe ich selbst bezahlt und er war jeden Cent wert!

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