Das kulinarische Gedicht (10): Fitzgerald Kusz

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„Ich habe mich für den Dialekt entschieden, weil ich in ihm Dinge sagen kann, die ich in der Hochsprache unmöglich sagen könnte. Der Dialekt ist an allem dichter dran – an den Menschen, am Alltag, am Leben.“
(Fitzerald Kusz, hier)

Den Lyriker und Dramatiker Fitzgerald Kusz habe ich vor zwei Jahren auf den Münchner Literaturtagen erstmals erlebt, ich war begeistert vom Humor des in Mittelfranken aufgewachsenen Dichters, von seiner Präsenz, seiner Fähigkeit, Mundart nicht um ihrer selbst Willen einzusetzen, sondern ganz bewusst auch lyrisch damit zu arbeiten. Kusz nimmt die Mundart ernst, seine Lyrik ist überwiegend heiter, schelmisch, oft hochkomisch – immer aber trefflich auf den Punkt.

Der Philologe liebt, wie die meisten Dichter, die Sprache, in seinem Beitrag zur Klartextdebatte des Münchner forum:autoren von 2011, erklärt er: „Der Dialekt „swingt“, er „groovt“ und manchmal hat er auch den „blues“. Mund-Art, wie ich sie verstehe, ist „spoken word poetry“, Lyrik, zum Vortrag geschrieben. Erst dann erwachen die Texte zum Leben. Die Schriftform hat aber auch ihren ästhetischen Reiz. Man muss jedes Gedicht erst einmal mühsam dechiffrieren.

Ich danke Fitzegrald Kusz für die Überlassung einer kniffligen Dechiffrierungs-Aufgabe für das kulinarische Gedicht auf NutriCulinary. Mein Tipp für Nicht-Franken: langsam lesen, vor allem aber laut lesen, letzteres eventuell nicht im Büro. Oder grade dort. Eine Rohübersetzung ist als Verständnishilfe und „Auflösung“ in den Kommentaren zu finden.

das verschluckte gedicht

haid fräih houi ass väsäing
ä gedichd väschluckd
des houd goä ned wäihdou
erschd is mä ä zeidlang
im bauch rumgangä
und dann ismä aff amall
in kubf naufgschdieng:
iich hou nix dägeeng
dou koos vo miä aus bleim

AUS:
Fitzgerald Kusz. Zwedschgä. ars-vivendi, Cadolzburg 2012. 12,95. – EUR.

Fitzgerald Kusz

OLYMPUS DIGITAL CAMERA(Foto:privat)

Dramatiker und Lyriker, 1944 geboren in Nürnberg, lebt in Nürnberg. Verheiratet, drei Kinder. 8 Literaturpreise. Zuletzt: August Graf von Platen-Preis, Ansbach 2011. Bundesverdienstkreuz, 1992.

13 Gedichtbände im fränkischen Dialekt: Zuletzt: Zwedschgä.(ars-vivendi, Cadolzburg 2012)

Über 20 Theaterstücke, Auswahl:
Schweig, Bub! Staatstheater Nürnberg 1976; Stand bis 2009 mit 720 Vorstellungen auf dem Nürnberger Spielplan.
Letzter Wille, Volksstück ,München 1996.
Witwendramen, Singen 2005;
Lametta Staatstheater Nürnberg 2010.

Mitglied im VS, PEN und in der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

Mehr von Fitzgerald Kusz:

www.kusz.de

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