Biergartenglückseligkeit: zwei Abende im Brauerei-Wirtshaus Kulmbacher Kommunbräu

Mit Verspätung und aufrichtig überrascht realisierte ich vergangene Woche bei einem Arbeitsbesuch in Bayreuth, dass ich zur Festspielzeit angereist und gebucht war. Alle Betten der Stadt waren mit Meistersingerpublikum belegt und es verschlug mich in das nahe gelegene Kulmbach. Kulmbach ist berühmt für sein Bier und den Entertainer Thomas Gottschalk, der hier zur Schule ging und sich als Jugendlicher in Kulmbacher Tanzlokalen als Diskjockey verdingte.

In den engen Gassen, und rund um den Marktplatz des Städtchens am Fuße der Plassenburg, wimmelt es von Kneipen und Wirtshäusern, allesamt einladend und wie für einen Postkarten-Fototermin aufgebrezelt. Ortskundige Kulinariker führten mich aber zum Rande der Stadt ins Kulmbacher Kommunbräu. Ich verbrachte gleich zwei Abende dort.

Der Biergarten der Brauereiwirtschaft liegt an einem rauschenden Bach, der angenehm kühl hinauf in die saftigen Blattkronen der Kastanienbäume atmet, auf blauen Biertischen wird Fränkische Festtags- und Versperküche auf höchstem Niveau serviert. Dazu schmeckt das unfiltrierte, naturtrübe Hell- und Bernsteinbier der Hausbrauerei. Es werden Brauereiführungen und Bierproben angeboten.

Hell und aufgeräumt ist es im Inneren der gelungen zurückhaltend modernisierten Wirtschaft, am Eingang sind imposante, kupferglänzende Sudkessel zu bewundern, im hinteren Teil findet sich ein Bierkrug-Tresor, in dem Stammgäste ihre Lieblingstrinkgefässe lagern. Rote Steinmauern und geweißte Wände wurden mit dunklem Holzgestühl und einfachen Holztischen kombiniert. Der Service ist jung, attraktiv, sehr herzliche und pfeilschnell wie die Küche selbst. Wartezeiten gibt’s hier nicht.

Ein Ereignis war die Ausgschtraafta, eine feine Bratwurst, die roh auf ein Bauernbrot gestrichen (ausgestreift), mit viel Zwiebeln. Paprika und schwarzem Pfeffer aufgetischt wurde. Wer je eine Ausgschtraafta kostete, ist für ein einfaches Mettbrötchen auf ewig verloren. Köstlich auch der geräucherte Limburger Käse, perfekt gereift, in dünnen Scheiben mit Zwiebeln, knackigen Apfelwürfeln und Olivenöl beträufelt serviert. Eine raffinierte Kombination aus fränkischer Tradition und italienischem Gold.

Auch das Kulmbacher Carpaccio war schlicht genial. Ich habe meinen Frieden damit gemacht, dass sich alles was dünn aufgeschnitten zu Tisch kommt Carpaccio nennt, hier war es hauchdünner Schweinebauch mit Musik, sprich Essig und Öl mariniert, dazu Meerrettich-Kren, wie ich ihn schärfer nie aß. Leise weinend durchweichte ich zahlreiche Servietten beim Versuch wieder zu Atem zu kommen.

Erinnernswert auch das Süßsaures Geling´„ohne Lunge, mit viel Herz und Zunge“. Unter dicker dunkler Sauce, süß-würzig mit deutlicher Wachholdernote abgeschmeckt, fand sich löffelweise butterzartes Herz und Zungenfleisch. Göttlich! Das dunkel gebackene, duftende Bauernbrot dazu ist ein Glück, dass durch das fein moussierende, eiskalte „Sommerweizen-Bier“ zur Biergartenglückseligkeit wurde. Das spritzige Sommerweizen wird nur in diesem Monat serviert, denn jeden Monat wird im Kommunbräu eine andere Bierspezialität gebraut, Vorfreude schafft ein Blick in den Kommunbräu-Bierkalender.

Auf der Karte lockten unter anderem Blaugsudna, Original Kulmbacher Bratwürste im süßsaurem Zwiebelsud mit a´ gut´s Kulmbacher Laabla, oder gekochte Scheinshaxe mit Meerrettichsoß´und Brot , das war aber nicht mehr zu schaffen. Ich muss da unbedingt wieder hin. Künftig nächtige ich auf Montage immer in Kulmbach.

Kulmbacher Kommunbräu
Peter und Sonja Stübinger
Grünwehr 17
95326 Kulmbach
www.kommunbraeu.de

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