Rum. Fernweh im Glas, Spaß in der Küche und Musik im Ohr.

Das da draußen ignorieren wir jetzt einfach mal und freuen uns schon mal auf den nächsten Sommer. Rum ist da hilfreich, jener feine Stoff, der nach Sonne riecht und nach Meer. Rum ist in den letzten Jahren ein großes Thema an der Bar geworden, immer mehr Genießer schätzen Tiefe und Vielfalt der edlen Spirituose. Rum will entdeckt werden und die ganze Welt entdeckte den Rum als die Andrew Sisters 1945 in ihrem Welt-Hit „Rum and Coca-Cola“ säuselnd die Vorzüge der Liebe auf Trinidad besangen.

Da blieb bei den Hörern vor allem der Refrain hängen, begeistert wurde fortan jeder Rum mit brauner Brause gemischt. In jugendbewegten Trinkstätten soll diese Mischung immer noch fröhliche Feste feiern, der Kenner weint leise ins Glas. Denn ein guter Rum kann es durchaus mit bestem Cognac oder Single Malt aufnehmen, die gereiften, altersmilden Zuckerrohrbrände sollten sogar dringend pur genossen werden. Wer die Nase in ein Glas mit mindestens sieben Jahre altem, braunem Rum hält, wird automatisch erleuchtet. Añejos, Premium Black und Extra Aged sind die Zauberworte auf den Flaschen, die direkt zum Herz des Rums führen. Das Alter spielt dabei eine große Rolle und ist ebenfalls unübersehbar auf dem Etikett vermerkt. Schon die fünfjährigen Golden Rums Carta Oro, Aged, Light-Medium bieten ein aufregendes Geschmacksspektrum, eine Fülle von Aromen. Die lange Ruhezeit, bestenfalls in Eichenfässern, bewirkt eine geschmeidige Würze und eine sanfte, fast schon cremige Tiefe und Komplexität. Zu diesen betagten Rumsorten passen eine gute Zigarre, ein bisschen Fernweh und sonst nichts.

Für Cocktail-Freunde empfiehlt sich ein einfacher, weißer Rum, Light Dry, Extra-Light, Blanco, Rhum agricole, meist drei Jahre gereift und als guter Geist im Mojito oder Daiquirí bestens geeignet. Nach weißem und braunem Rum verlangt der berühmte Planters Punch. Der „Faustschlag des Plantagenbesitzers“ besteht aus je 3 cl der beiden Rumsorten, außerdem aus 5 cl Orangensaft, 5 cl Ananassaft, 4 cl Zitronensaft und 1 cl Grenadine, die die Schlagkraft des Drinks aber nicht reduzieren. Mit Sonnenschein serviert schmeckt dieser Rum-Cocktail-Klassiker auch Puristen. Ebenfalls zum Mixen geeignet ist frisch destillierter Rum, der unter den Namen Aguardiente (de cana), Sugar Cane Brandy oder Cachaça auf den Markt kommt, der Letztgenannte gehört traditionell in einen echten Caipirinha.

Alter und Farbe der verschiedenen Rumsorten bieten aber leider nur eine erste und schlichte Kategorisierung des Universums Rum, das Angebot ist grenzenlos. Geschätzte 1.500 Rumdestillerien gibt es weltweit, in der Karibik, in Mittel- und Südamerika, auf den Philippinen, in Indien…sogar in Nepal wird Rum gebrannt. Jede Destillerie hat ihren eigenen Stil. Die Ergebnisse sind von höchst unterschiedlicher Qualität, gerne wird der Rum hier und da mit Zuckercouleur nachgebräunt und durch Zugabe von allerlei „Würzungen“ maßgeschneidert aromatisiert. Viele Häuser bieten beste Qualität an, leisten sich einen Master Blender, der aus Rumsorten verschiedener Jahrgänge, Reifungsgrade und Destillationsmethoden ein hauseigenes Spitzenprodukt kreiert, das nur wenigen geschmacklichen Schwankungen unterliegt und Aushängeschild der Destillerie ist. Einer, der sich in diesem Universum auskennt, ist der Rum-Liebhaber Ralf Lisges. Unter ralphs-rumseite.de hat Lisges hunderte von Rums akribisch aufgelistet, beschrieben und bewertet, umfangreiche Linklisten führen zu Destillerien in der ganzen Welt.

Rum ist aber nicht allein zum Trinken da. Schon meine Großmutter weichte die Rosinen für den Hefezopf über Nacht in Rum ein, flambierte Pfannkuchen damit (leider nur für Erwachsene) und holte duftenden Rum-Pudding aus dem Kühlschrank. Meine Eltern kicherten in den 70er Jahren mit studentischen Freunden, über einen Rumtopf mit verschrumpelten Obstleichen gebeugt, in der WG-Küche. Nicht zu vergessen die winterliche Feuerzangenbowle, bei der sich Zucker, Rotwein und Rum im Feuerschein zu einer unheiligen Allianz vermählen, die das Zimmer erhellt und die Gesichter rötet.

Für den Sommer 2009 empfehle ich folgendes Rezept: schnippeln Sie Ananas, Honigmelonen und Mangofleisch klein und mischen Sie den Obstsalat mit etwas braunem Zucker, Limettensaft und einem Schwupps Rum. Das ganze zugedeckt ein paar Stunden im Kühlschrank gut durchziehen lassen und dann genießen. Am besten im Garten oder auf dem Balkon. Dazu sollten Sie unbedingt eine Platte der wundervollen, begnadeten Sängerin Césaria Évora hören:



Sie können natürlich das Obst, den Zucker und den Limettensaft auch einfach weglassen.

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