Champagner zum Fest: preiswert nur für Großzügige

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Früher genoss ich Champagner in andächtig kleinen Schlucken. Bis mich ein befreundeter Kenner während einer Champagnerverkostung dazu ermunterte, es doch mal mit einem „guten Mundvoll“ zu probieren. Ein Erweckungserlebnis. So rund und reich hatte ich Champagner noch nie geschmeckt. Ich begriff: erst in der Großzügigkeit offenbart sich wahrer Champagnergenuss.

Die ist schon beim Kauf gefragt. Champagner hat seinen Preis, dafür bekommen Sie aber auch was geboten. Champagner stammt immer aus der Champagne, alles andere ist Schaumwein. Für den prickelnden Nordfranzosen zerrt keine Pflückmaschine an den Reben, hier wird von Hand verlesen, die Grundtrauben Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay werden unverletzt geborgen. Aus 160 kg Trauben werden 102 Liter Most gewonnen, von denen aber nur die ersten 82 Liter qualitativ hochwertig genug sind, um zu bestem, weil bitterstoffarmem, Champagner zu werden. Diese Mengen sind gesetzlich vorgeschrieben. Nach der alkoholischen Gärung des Mostes zu Wein folgt die geschmacksbildende Mischung von Grundweinen verschiedener Jahrgänge.

Bei der zweiten Gärung, in mit Kronkorken verschlossenen Champagnerflaschen, entsteht durch Zugabe von Zucker und Hefe die charakteristische Perlung. Das dauert mindestens 15 Monate. Jahrgangs-Champagner ruhen sogar wenigstens 3 Jahre auf der Hefe, die später am Rüttelpult durch sanftes Drehen und Rütteln der Flaschen zurück in den Flaschenhals befördert wird. Das dauert 21 Tage und ist mühsam. Darum erledigen das heute zumeist Maschinen, menschliche Rüttler schaffen etwa 45.000 Flaschen am Tag. Die Hefe wird dann im Eisbad zum Pfropf gefroren, der nach dem Entfernen des Kronkorkens durch den Überdruck aus der Flasche schießt. Jetzt noch schnell die „Dosage“ beigegeben, jenes mehr oder weniger süße Geheimnis der Champagnerhäuser, das den Flüssigkeitsverlust ausgleicht und dem Champagner gleichzeitig seinen unverwechselbaren Charakter verleiht. Das kann eine einfache Zuckerlösung sein, aber auch ein Süßwein oder hochwertiger Weinbrand. Korken rein, Etikett drauf, fertig.

Ich fasse zusammen: kleine Ertragsfläche, gesetzlich geregelte Ertragsmengen, hoher Wareneinsatz, entsetzlich viel Arbeit, es dauert ewig. Darum hat Champagner seinen Preis. Da helfen auch die vermeintlichen Schnäppchen („Premier Prix“) beim Lebensmitteldiscounter nicht, günstig generierte Handelsmarken, zusammengekaufte Abfüllungen ohne Charakter. Bei seriösen Blindverkostungen schneidet der Billig-Champagner regelmäßig schlecht ab. Wer Champagner will, muss Champagner bezahlen.

Mit dem Kauf von Champagner namhafter Häuser sind Sie auf der sicheren Seite, die Lieblingsmarke ist Geschmackssache. Gehen Sie aber immer respektvoll mit Champagner um. Nennen Sie Champagner beim Namen, der Begriff „Schampus“ ist nicht einmal augenzwinkernd snobistisch zu verstehen, sondern zeugt von geistiger Schlichtheit. Champagnergläser sind unerlässlich, die schicken Retro-Champagnerschalen können Sie als Puddingschälchen benutzen. Die Korken knallen zu lassen, ist selbst an Silvester unangebracht, da entweicht nur lautstark die feine Perlung, an der man sich doch erst im Glas erfreuen sollte. Am allerwichtigsten: Champagner immer eiskalt (8-12 Grad) und vor allem in großzügigen Schlucken genießen.

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