Wiederbesucht: The Greek – fine dining auf griechische Art

Am Hamburger Hafen definiert ein junges Team griechischer Köche die Küche ihrer Heimat neu

Die Suche nach Restaurants mit ausreichend Luft und Raum für die Corona-Herbst/Winter-Saison wehte uns auch wieder an den Hafen und ins „The Greek“ von Vollblutgastronom Michalis Josing, der seit vielen Jahren schon im Dionysos in Eimsbüttel die Gäste mit griechischer Mezedes/Tapas-Küche begeistert.

Auch im The Greek gibt es kein Gyros mit Pommes, hier interpretiert ein junges und ambitioniertes Team griechischer Köche die Küche ihres Landes, wie zumindest ich sie selten auf dem Teller hatte.

Im Spätsommer besuchte ich das The Greek um die neue Karte zu probieren, neulich sind wir mit Freunden direkt wieder hin, ich fasse die beiden Einkehren jetzt einfach mal zusammen:

Auftakt

Im The Greek gibt es zum Auftakt „Die berühmten Vier aus Griechenland“ mit dem hauseigenen Kurkuma-Brot gereicht: Taramosalata, Melintzanosalata, Tzatziki und Kafteri-Käsecreme – auf Wunsch auch als Ouzo-Runde mit Oliven und Pitabrot bestellbar.

Immer wieder aber lässt sich die Küche etwas Besonderes einfallen, à la minute Tatar von Lachs oder Thunfisch, ein Bete-Tartelette mit Brombeere- mein Highlight gestern: fermentierte Aubergine, sauer-scharf-würzig gefüllt mit Zwiebeln, Knoblauch und Chili. Nicht fotogen, geschmacklich großartig mit Wumms!

Vorspeisen

Die Auswahl an Vorspeisen ist riesig, man kann die warmen und kalten Köstlichkeiten wahlweise mit Freunden teilen, oder nach Belieben zu einem eigenen Menü zusammen stellen. Ein paar Highlights:

Ceviche vom Wolfsbarsch, topfrisch und knackig der Fisch, mit Tomaten-Basilikum-Tatar, konfierten Kirschtomaten Zitrone und kretischem Olivenöl.

Tataki vom Thunfisch, aus der Sommerrunde, auch hier ein perfektes Spiel von frische und Säure, die unterstütz wird durch ein fruchtig-säuerliche Gurkengazpacho, grüner Spargel und gehobelter Fenchel knackig und roh dazu.

Sautierte Waldpilze auf einer samtigen Knoblauchcreme, getoppt mit Kräuter-Panko-Bröseln – zum Weglöffeln gut!

Noch eine Runde Vorspeisen!

Die marinierten Sardellenfilets mit grünem Kräuter-Olivenöl, einem Hauch Knoblauch und frischen Kräutern, schmecken soviel milder, als alles was man so kaufen kann. Die pointierte Schärfe der roten Pfefferschoten lassen die Sardellen nochmal schwimen.

Der Oktopus auf samtigem Linsenpüree ist zart und pur im Geschmack, schöner Kontrast dazu sind die leicht säuerlich gepickelten, knackigen roten Zwiebeln und die würzigen Kapern.

Ein bisschen Spaß muss sein: die „traditionellen Hackbällchen“ sind wolkenfluffig, serviert mit Minze-Joghurt, Tomaten und eingelegten (!) Gartengurken.

Die Götterspeise: Meeresfrüchte-Dolma

Angelehnt an die klassischen gefüllten griechischen Weinblätter kommen hier zarte Mangoldblätter-Wickel mit würzigem Minz-Reis auf den Teller, begleitet von gebratenen Jakobsmuscheln und Garnelen, getoppt  mit einer klassisch französischen Sauce Bernaise, die mit ihrer buttrigen Cremigkeit die feine Säure der Dolmas unterstreicht und alles zusammen bringt. Richtig gut!

Hauptgänge

„Verheirateter Fisch“ aus dem Pergament, dass ist filetierte und wieder vermählte Dorade oder Wolfsbarsch als Filet auf bunten Gemüsen, knackig gegart, dazu eine buttrige Weinsauce à part serviert.

Ebenfalls dem Pergament kommt die Lammunterkeule „Kleftiko“ ohne Knochen, schieres Lammfleisch mit saftigen Rosmarinkartoffel-Spalten im Bratensud. Minimalismus ohne Schnörkel.  Besonders gut, mit dem Alpha Estate Pinot Noir, handgelesen auf 600 Metern im Weinanbaugebiet Amyndeon, unfiltriert mindestens 12 Monate im französischen Eichenfass gereift und weiter 12 Monate in der Flasche. Kirsche, Würze, lebendig frisch und nicht zu schwer, auf unseren Wunsch auch herrlich kühl (16-18 Grad) serviert.

Auch das halbe Maishähnchen aus dem Ofen ist ein pures Vergnügen auf den Punkt, mit Röstgemüsen, Kartoffeln und Buchenpilzen in der Ofenpfanne serviert – wie das Lamm eine Riesenportion!

Die Moussaka aus Auberginen, mit Hack und Bechamel aus der klassischen Pillion-Form ist eine echtes Seelenessen, freundlich warm, cremig und mild – ideal für kalte Tage und ich hab die neulich mal selbst gemacht, das ist vielleicht Arbeit! Hier wird sie auf Bestellung frisch eingesetzt und geschoben.

Desserts - bitte einplanen!

Pssst! Die haben hier einen sensationellen Pâtissier. Darum solltest Du das Dessert in Deiner Menüplanung berücksichtigen. Welches ist unerheblich, alles der Knaller!

Gehen wir es kurz durch: traditionelle Bougatsa hier als Turm aus Filo-teig „Mille Feuillle“, mit Vanillecreme und Zimteis, am Tisch vor den Augen des Gastes zerstört. Dann beginnt die Schlemmerei.

Die Schokoladen-Bombe „Profiterole“ mit Schokoladen-Creme, creme Patisserie und Schokoladeneis kann man leider nicht entschärfen. Macht nix!

Die dekonstruierte Pavlova war im Spätsommer grandios, „Der Imker” Ist auch jetzt auf der Karte, ein Kunststück aus Zitronenmousse. Thymian-Honig-Eis und und Bienenwabe.

Die Weine

Das macht Spaß! Statt der üblichen 0815-Weinkarten, mit den oft gleichklingenden Namen der Weinwelt, findest Du im The Greek die größte Auswahl an griechischen Weinen, derzeit um die 900 Flaschen. Wenn Du wie ich keine Ahnung von griechischen Weinen hast, berät Dich das Team: was schmeckt Dir sonst, was magst Du, worauf hast Du Lust, was darf es kosten. Da sind Entdeckungen zu machen!

Die Lokation

Wegen des Essens vergesse ich jedesmal, Bilder vom Restaurant selbst zu machen. Jedenfalls: The Greek ist riesig, das Restaurant zieht sich über drei Stockwerke, die Tische sind jetzt luftig gesetzt, es ist viel Platz zum Atmen. Meine Lieblingstische sind die beiden Tische im Parterre, rechts von der Treppe, mit Blick in die Küche und etwas abseits, angenehm. Es gibt auch eine separate Wein-Bar die für ein private Dining oder eine geschlossene Runde gebucht werden kann!

The Greek – Homepage

The Greek auf Instagram

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